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Philippinen: Konflikte zwischen Katholiken und Muslimen

Meldung vom 04.12.2008

Schon Jahrzehnte lang währt der blutige Konflikt zwischen Katholiken und Muslimen im Süden der aus 7.107 Inseln bestehenden Pazifik-Nation. Jetzt gibt es erneut nach mehreren Anläufen Anzeichen für Friedens-Verhandlungen.

Es ist einer der am wenigsten beachteten Kriege dieser Welt. Seit mehr als 30 Jahren wird im Süden der Philippinen Blut vergossen. In den vergangenen Jahren schwelte der Konflikt auf der südlichen, von Muslimen dominierten Inselgruppe Mindanao nur dahin, doch im August sind die Kämpfe wieder aufgelodert: Regierungstruppen kämpften mit Rebellen der 11.000 Mann starken Moro Islamic Liberation Front (MILF). 300 Tote sind seit dem Sommer zu beklagen. 650.000 Menschen befinden sich auf der Flucht.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentiert nun in einem Bericht die nüchternen Zahlen mit Zeugnissen von Einzelschicksalen. Ein Beispiel: Wie kamen Miguel Daitia und sein 33-jähriger Sohn Reuben ums Leben? Rebellen drangen in die Siedlung Lapayan in der Stadt Kauswagan ein, berichteten Augenzeugen: „Zuerst haben sie das Schloss zu ihrem Haus mit einem großen Stein aufgeschlagen, drei MILF-Milizionäre sind hinein und haben die beiden getötet. Die Frauen haben sie weggejagt. Danach steckten sie insgesamt 22 Häuser der Nachbarschaft in Brand.“

Aurora Parong, Chefin der lokalen Amnesty-Gruppe, kritisiert die unterlassene Hilfeleistung der Regierungstruppen: „In den meisten Fällen haben die Regierungstruppen den Zivilsten keinen adäquaten Schutz geboten. Einige der Opfer berichteten auch von Übergriffen.“

Die Krise auf den mehrheitlich katholischen Philippinen hat viele Facetten. Der Keim des Konflikts stand schon bei der Gründung der Philippinen fest: Die Bewohner der südlichen Inseln Mindanao gehören im Gegensatz zur katholischen philippinischen Bevölkerungsmehrheit dem muslimischen Glauben an. 1904 gründeten die USA hier eine Provinz. Die Inselbevölkerung kam unter amerikanische Herrschaft. Die USA legten riesige Plantagen an.

Die Spannungen spitzten sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu, als christliche Siedler auf der Suche nach fruchtbarem Land auf die Inseln einwanderten und die muslimische Bevölkerungsmehrheit teils brutal vertrieben. Nachdem der von den USA unterstützte Ferdinand Marcos 1972 das Kriegsrecht ausgerufen und sich zum Diktator erhoben hatte, rief die Moro National Liberation Front zum Widerstand auf.

Der bewaffnete Kampf dauerte an, bis 1996 ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Die philippinische Regierung erklärte sich damals dazu bereit, in Mindanao ein Autonomiegebiet zu errichten. Damit stabilisierte sich die Lage, auch wenn der Konflikt immer wieder aufflammte.

Diesen Sommer war nach langen Jahren der Verhandlungen endlich Hoffnung auf Frieden in Sicht: Die Rebellen erklärten sich in einem Friedensabkommen dazu bereit, den bewaffneten Kampf aufzugeben. Vertreter der Regierung versprachen, die Autonomiegebiete für die rund vier Millionen Muslime zu vergrößern. Ein Durchbruch schien sich anzubahnen.

Doch das Abkommen wurde am 4. August am Obersten Gericht auf Betreiben einiger Lokalpolitiker angefochten und boykottiert. Einer der Hauptgegner des Abkommens war der Vizegouverneur Emmanuel Piñol. Sein Argument lautete: „Die Christen werden sich bewaffnen und es wird Blutvergießen geben, wenn das Abkommen unterschrieben wird.“ Daraufhin griffen die Rebellen wieder zu den Waffen.

Piñol bekam recht, die Friedensgespräche mussten abgebrochen werden. Auch hatte Präsidentin Arroyo ihre Widersacher unterschätzt: 136 der 238 Vertreter des Repräsentantenhauses stimmten gegen das Friedensabkommen.

Jetzt sind erneut Hoffnungsschimmer in Sicht: Die Präsidentin berief einen neuen Chefunterhändler für diese Angelegenheit. Die Gespräche könnten bald wieder in Gang gesetzt werden, wenngleich die Rebellen daran zweifeln. 120.000 Menschenleben sind dem Krieg in der an Erzen, Öl und Erdgas reichen Region bisher zum Opfer gefallen. Es wäre an der Zeit, dass der Krieg in dieser Region nach mehr als 30 Jahren endlich beendet werden kann.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Presse“, diepresse.com