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Kenia: Grenze zu Somalia als Einfallstor für Waffenschmuggel

Meldung vom 16.10.2013

Kenias abgelegene Nordost-Provinz entwickelt sich zunehmend zur Problemzone. Dort haben sich somalische Milizen niedergelassen. „Eine wachsende Zahl kenianischer Somalier sympathisiert mit der al-Schabaab“, erklärt Elwak Abdi, ein Friedens- und Sicherheitsexperte aus der kenianischen Grenzstadt Liboi.

„Sie schließen sich zu kleinen Verbänden zusammen, um der Regierung Kenias eine Lektion zu erteilen“, warnt Abdi. „Ein erheblicher Teil der kenianischen Somalier ist bewaffnet.“ In Distrikten wie Wajir, Isiolo und Mandera in der Nordost-Provinz herrscht ständig Gewalt, was die Einwohner zur Flucht nötigt. „Noch schlimmer wiegt die Tatsache, dass ihnen die kleinen Milizen Schutzgelder abpressen“, ergänzt Abdi.

Während Kenia allmählich den Schock des Anschlags auf die Westgate Shopping Mall verarbeitet, zu dem sich die al-Schabaab bekannte, werden die Somalis in der Nordost-Provinz zunehmend verdächtigt und observiert. Viele trauen sich nicht mehr, am Telefon darüber zu sprechen, weil sie sich sicher sind, von der kenianischen Regierung abgehört zu werden.

Ibrahim Ahmed, Exekutivdirektor der Menschenrechtsorganisation Kenya Somali Consortium, ist beunruhigt über die Lage im Nordosten. Die kenianische Regierung habe keine Anstrengungen unternommen, „um den Menschen bewusst zu machen, dass nicht alle Somalier Terroristen sind. Das könnte dem Kampf gegen den Terror schaden.“

Da die 700 Kilometer lange Grenze löchrig ist, dringen täglich mehr Somalier in Kenia ein. Nach Erkenntnissen der kenianischen Regierung haben sich innerhalb der Landesgrenzen mindestens 630.000 Somalier niedergelassen. Die zunehmende Einwanderung hat offenbar auch einen Anstieg des Waffenschmuggels bewirkt.

Die Bewohner der Nordost-Provinz sind in großer Sorge, weil der Waffenschmuggel der somalischen Gruppen nicht gestoppt wird. Das kenianische Ministerium für Innere Sicherheit vermutet, dass in dem Land bis zu 680.000 Waffen illegal in Gebrauch sind. Genaue Zahlen zu den aus Somalia illegal eingeführten Waffen konnten allerdings nicht aufgestellt werden.

Die zunehmende Bewaffnung hat auch zu einer Zunahme der Konflikte zwischen den somalischen Klans in Kenias Nordostprovinz und zu einer Gefährdung der nationalen Sicherheit geführt. Wie Abdi berichtet, ist sogar das Welternährungsprogramm WFP derzeit außerstande, Orten wie Wajir humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Die Gefahr, entführt oder sogar getötet zu werden, sei zu groß.

„Die Somalier in der Nordost-Provinz identifizieren sich mit ihren Landsleuten in der Heimat. Auch wenn die Lage in Kenia seit fünf Jahrzehnten stabil ist, gibt es in der Nordost-Provinz durchaus Probleme. Da die Regierung wenig getan hat, um Frieden unter den Bewohnern herbeizuführen, scheinen diese entschlossen zu sein, die Region unregierbar zu machen, so wie dies Somalier in ihren Land getan haben“, stellt Ahmed fest.

Dennoch dürfe der blühende Waffenhandel nicht allein darauf zurückgeführt werden, dass die Grenze zu Somalia zu wenig überwacht werde, sagt er. „Ich habe mich an der Entwaffnung im Norden Kenias beteiligt und weiß, dass die meisten Waffenschmuggler Ausländer sind, vor allem Russen und Ukrainer. Schiffe mit Waffen legen in Somalia an, bevor die Ladungen durch Ostafrika transportiert werden.“ Ahmed gibt zu bedenken, dass kaum einer über die Grenzprobleme zwischen Kenia und Äthiopien, Sudan und sogar Uganda spricht. Auch von dort beziehen Terroristen in Somalia gefährliche Waffen.

Seit dem Terroranschlag in Nairobi sind in Kenia immer mehr Stimmen hörbar, die verlangen, dass die somalischen Flüchtlinge abgeschoben werden. Hussein Ali aus der Stadt Garissa beobachtet eine wachsende Entfremdung zwischen kenianischen Somaliern und der Regierung. „Wie kann die Regierung kenianische Somalier von der Notwendigkeit überzeugen, die al-Schabaab zu bekämpfen, wenn sie ihnen nicht die gleichen Rechte einräumt wie Kenianern?“ meint Ali, der die ausbleibende Hilfestellung in der Grenzregion kritisiert.

Ahmed bemängelt, dass die Infrastruktur und die Gesundheitsversorgung im Nordosten schlecht seien. Die Bevölkerung habe keinen Zugang zu fließendem Wasser, und die Kinder müssten unter freiem Himmel lernen.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: afrika.info

Schlagwörter: Kenia, Grenze, Nordost, al-Schabaab, al-Shabaab, Liboi, Waffen, Waffenschmuggel, Waffenhandel, Klans, Wajir, Isiolo, Mandera, Terrorismus, Exil-Somalier, Migration, Migranten, Einwanderer, Westgate, Attentat, Menschenrechte