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Somalia: Nur ein Flugticket nach Wien in der Hand – 14-Jährige flüchtet vor Zwangsheirat

Meldung vom 20.08.2014

In Somalia haben Mädchen keinerlei Rechte. Wenn einflussreiche Männer sich ein Mädchen zur Frau aussuchen, können sie sich nicht verweigern. Selbst die Familie ist machtlos. Das erlebte die 14-jährige Fardous, die zuerst ihre Heimat, dann ihren Namen und schließlich den Vater verlor.

Ungefähr bis April 2011 führte Fardous Hassan Said ein halbwegs normales Leben. Die damals 14-Jährige besuchte in Mogadischu, der Hauptstadt des Bürgerkriegslandes Somalia, die Schule. Sie wohnte dort mit ihren Eltern und den drei Geschwistern. Aus heutiger Sicht schätzt sie ihr damaliges Leben so ein wie es ihr Name besagt. Fardous bedeutet Paradies.

Eines Tages trat ein Mann in die Schulklasse des Mädchens. Er befahl ihr: „Komm mit. Ich will dich heiraten.“ Der Mann war 64 Jahre alt. „In Somalia dürfen Männer mit bis zu vier Frauen verheiratet sein, es gibt kein Gesetz, das eine Hochzeit verbieten würde“, berichtet die heute 17-Jährige mit leiser Stimme.

Fardous gab ihren Eltern Bescheid, die Mutter sagte: „Du musst fliehen.“ Fliehen bedeutete, das Land verlassen. Das Mädchen wurde bei Verwandten verborgen gehalten, während ihr Clan Geld sammelte und Flugtickets aufzutreiben versuchte. Der 64-jährige Freier blieb allerdings beharrlich, tauchte – meist im Rauschzustand – immer wieder im Café von Fardous’ Mutter auf und verlangte: „Ich habe ein Recht auf sie, sie ist alt genug!“

Am 18. Juli 2012 begann die Entwurzelung des Mädchens. Ihr Cousin drückte ihr Geld und ein Flugticket in die Hand. Ein letztes Mal umarmte sie ihre Familie. Als das Flugzeug landete, hatte Fardous keine Ahnung, wo sie war.

Sie war in Wien angekommen. Noch am Flughafen wurde sie abgeführt und in das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen gebracht. Dort wurden ihre Papiere kontrolliert und ihre Daten aufgenommen. Durch einen Schreibfehler der Behörden musste sich Fardous auch von ihrem Vornamen verabschieden und heißt nun offiziell Fardoso Hassan Said.

Das Mädchen bat darum, mit seine Mutter telefonieren zu können. „Da habe ich erfahren, dass mein Vater aus Rache umgebracht worden ist. Mein Leben hatte keinen Sinn mehr, ich habe monatelang nur geweint.“ Im Oktober 2012 wird die damals 15-jährige Muslimin nach Linz umquartiert. In der Rudolfstraße 64 hat SOS-Menschenrechte eine WG für acht so genannte UMFs (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) eingerichtet.

Hier gewinnt das Mädchen dank engagierter Betreuerinnen wieder Boden unter den Füßen. Sie schafft den Hauptschulabschluss und befindet sich nun auf Arbeitssuche. „Ich würde gerne in einem Kleidergeschäft zu arbeiten beginnen. Leider fehlen mir immer noch die Papiere dazu.“

Fardoso will Linz nicht mehr verlassen. Es gefällt ihr hier, die Leute sind warmherzig, und ihre Betreuer stärken ihr den Rücken. Der Weg zurück nach Somalia ist ihr für immer versperrt, weil sie dort ermordet würde. In ihren großen, braunen Augen spiegelt sich Traurigkeit, weil sie ihre Familie nie wieder sehen wird. Dafür hat sie sowieso gar kein Geld.




Quelle: „nachrichten.at“

Schlagwörter: Somalia, Zwangsheirat, Mädchen, Frauen, Menschenrechte, Minderjährige, Flüchtlinge, Asyl, Aufnahme, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, UMFs, Mogadischu, Wien, Clan, Rache