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Afghanistan: Erwachender Reichtum – In der Tiefe schlummern noch Bodenschätze

Meldung vom 21.08.2014

Amerikanische Geologen haben in Afghanistan Gesteinsproben entnommen. Es steht fest: Tief in der Erde Afghanistans schlummern gewaltige Bodenschätze. Begleitet von amerikanischen Soldaten haben Geologen potenzielle Lagerstätten inspiziert. Etwas durfte nie fehlen: Helme und bombensichere Westen.

Im Februar 2011 wagte sich Robert Tucker mal wieder auf Expedition. Er machte sich im Gebirge auf die Suche nach Felsproben, die Spuren von Bodenschätzen enthalten und auf größere Vorkommen hindeuten. Das ist sein Beruf, der Amerikaner ist als Forschungsgeologe beim Geologischen Dienst der USA (USGS) tätig.

Doch Ort und Umstände waren brisant: Die Expedition hatte den Khanneshin-Komplex in der afghanischen Helmand-Provinz zum Ziel, eine Hochburg der Taliban. Amerikanische Marines mussten die Gegend erst umstellen und militärisch sichern, bevor Tucker mit einem Team einheimischer und amerikanischer Wissenschaftler einflog. Zwei Black-Hawk-Helikopter luden die Forscher ab.

Trotz der sengenden Hitze Afghanistans mussten die Geologen Helme und bombensichere Westen tragen – in dieser sehr schweren Ausrüstung schleppten sie sich in wenigen Stunden den „sehr, sehr steilen Vulkan“ hoch, schildert Tucker. Oben rackerten sich die Männer mit einem schweren Vorschlaghammer ab, um Proben aus dem Fels zu hacken. Einer seiner Kollegen wurde bei der schweren Arbeit wegen der extremen Temperaturen von einem Schwächeanfall ereilt.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, meint der Geologe, der seit den Tagen an der Universität in den frühen 1980er-Jahren gewohnt ist, sich einen Weg durch unwegsames Gelände zu bahnen. Aber die gefährliche, beschwerliche Arbeit in Afghanistan war es wert. Tuckers Team konnte bestätigen, dass die Karbonatit-Gesteine im Khanneshin-Komplex Spuren von reichen Bodenschätzen enthalten, genau wie sowjetische Geologen bereits 40 Jahre zuvor geahnt hatten.

Es ist noch nicht abgesichert, wie viel von den seltenen Erden tatsächlich im Boden Afghanistans liegt. In den Magma-Ablagerungen konnten sogenannte Seltene Erden wie Lanthan, Cer und Neodym nachgewiesen werden. Diese Spurenmetalle sind für viele Hightechgeräte, Laser und Magnete ein wichtiger Bestandteil. Außerdem gibt es dort Niob, das für Spezialstahl und supraleitende Drähte verwendet wird. Voraussichtlicher Marktwert der Metalle in dem vulkanischen Gebirge: 89 Milliarden Dollar.

Und Khanneshin ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs vom Reichtum der afghanischen Erde. Das Sonderkommando für Geschäfte und Stabilität des Pentagon (TFBSO), das Afghanistan wirtschaftlich wieder auf die Beine verhelfen soll, bezifferte den Wert der dort lagernden Bodenschätze schon 2010 auf 908 Milliarden Dollar. Die Regierung des scheidenden Präsidenten Hamid Karzai kündigte sogar an, die Ressourcen im Land seien drei Billionen Dollar wert. Und US-Geologen gehen ständig weiter auf Datensammlung, beschirmt vom Militär.

Die wirtschaftliche Zukunft des Landes könnte dadurch eine große Wende erfahren. „Wir reden hier nicht mehr über Landwirtschaft und Opium, sondern über Mineralien und anspruchsvolle Entwicklung“, betont Devine, also über Technik und Infrastruktur. Die afghanische Regierung hat bereits einer chinesischen Firma die Rechte an einem Kupfervorkommen bei den Ruinen von Mes Aynak erteilt. Ein indisches Konsortium will eine große Eisenerzmine ausbauen. Das Parlament in Kabul hat vor wenigen Wochen die Rahmenbedingungen in einem Bergbaugesetz formuliert.

Aber noch gibt es viele Hürden zu überwinden: Die nötige Infrastruktur fehlt. Noch nicht vorhanden sind Straßen, Eisenbahnlinien und Stromleitungen. Wasser und Energie stehen nur begrenzt zur Verfügung. Und die Gefährdung durch die Taliban ist ein enormes Problem. Noch ist unklar, ob Armee und Polizei des Landes den nötigen Schutz gewährleisten können, wenn die Koalition der fremden Truppen, darunter deutsche Soldaten, Ende des Jahres nach Hause zurückkehren. „Viele der Mineralien liegen in Gegenden, in denen die Sicherheitslage sehr schlecht ist“, meint Hamidullah Waizy, ein Geologe von der Polytechnischen Universität in Kabul.

Grundlage für die Arbeit der Amerikaner und ihrer einheimischen Kollegen boten alte sowjetische Karten. Die Mitarbeiter des Afghanischen geologischen Dienstes (AGS) hatten sie aus den Archiven gerettet und unter ihrer Kleidung verborgen nach Hause geschmuggelt, bevor die Taliban das Gebäude während ihrer 2001 beendeten Herrschaft in Schutt und Asche legten. Die muffigen Dokumente, teils 50 Jahre alt, eröffneten Anhaltspunkte auf ein geologisches Paradies. Aber es gab auch Anlass zu Skepsis.

Manche Indizien fußten auf veralteten Vorstellungen über die Entwicklung der Erde, die längst von der Theorie der Kontinentalverschiebung verdrängt worden waren. Außerdem waren offensichtliche Fehler zu erkennen, imaginäre Straßen und Dörfer, die viele Kilometer von ihrem wirklichen Ort eingetragen waren.

Immerhin konnten die USGS-Forscher das Material auswerten und 24 womöglich gewaltige Vorkommen von Bodenschätzen dadurch ausfindig machen. Als sie aber die Orte mit teuren Methoden der Fernerkundung überprüfen wollten, sprangen die Sponsoren ab. „Alle, die Vereinten Nationen, die Weltbank, die amerikanischen Entwicklungshilfe, waren dagegen. Das Geld werde für Bildung gebraucht“, erklärt Said Mirsad, ein afghanischer Geologe.

Dann begab sich das Forscherteam daran, die Oberfläche mit einem hyperspektralen Bildsystem zu untersuchen. „Jedes Mineral reflektiert das Sonnenlicht in einer anderen Farbe“, weiß Mirsad. Die Technik ist erst 20 Jahre alt und war noch nie in dieser Größenordnung angewandt worden. Das Pentagon stattete den Geologen mit einem alten B-57-Bomber aus, der das Land wie ein Rasenmäher abflog, Bahn für Bahn.

Mehr als 20 Jahre werden wohl noch ins Land gehen, bevor die Einheimischen den Bergbau selbst organisieren und leiten können. Doch die Untersuchungen erhärten die Hinweise aus den sowjetischen Karten und heben einige Besonderheiten hervor. Zu den Funden gehören: 45 Millionen Tonnen Kupfer, 2.450 Millionen Tonnen Eisenerz, 1,4 Millionen Tonnen Seltene Erden, Lagerstätten von Aluminium, Gold, Silber, Zink, Quecksilber und Lithium. Die Reichtümer lassen sich von der tektonischen Geschichte ableiten: Mindestens vier Erdplatten haben sich zusammengeschoben, um Afghanistan zu formen.

Einige Jahre lang gerieten die Daten in Vergessenheit. Erst das Sonderkommando für Geschäfte sah 2010 erneut die großen Chancen. Aber für die Minenindustrie waren die Daten noch immer zu ungenau. Darum sind in den vergangenen vier Jahren immer wieder Geologen des USGS in wilde Expeditionen aufgebrochen, die das TFBSO überwachte. „Dabei sorgt man sich gar nicht so sehr darüber, ob man erschossen wird“, erklärt James Devine, „sondern ob man in den 20 Minuten am Boden genügend Proben bekommen kann“.

Offenbar hat der Einsatz inzwischen Früchte getragen. Die Behörde hat aussagekräftige Informationspakete mit geophysischen Daten, der Topografie, Bevölkerungszahlen und Verkehrsverbindungen dokumentiert, die Minengesellschaften dazu verleiten sollten, Gebote auf die Schürfrechte abzugeben.

Nun müssen die amerikanischen Experten noch die Erwartungen der afghanischen Politiker auf einen realistischen Rahmen herunterhandeln. Abgeordnete des Parlaments haben Abgaben von bis zu 50 Prozent des Umsatzes verlangt – etwa das Zehnfache dessen, was in Ländern mit besserer Infrastruktur und guten Sicherheitsverhältnissen entrichtet wird. „Die Firmen müssen hier pro Standort fünf bis zehn Milliarden Dollar investieren, bevor sie überhaupt irgendetwas abbauen können“, sagt Jack Medlin, der die Arbeit des USGS in Afghanistan anführt.

Zugleich gehen jetzt afghanische Ingenieure und Bergbauverwalter in Colorado an der School of Mines in Ausbildung. Geologen vom USGS unterweisen ihre afghanischen Kollegen per Videokonferenz – wegen der Zeitverschiebung nehmen die Amerikaner in Reston/Virginia dazu von montags bis mittwochs um drei Uhr morgens ihren Dienst auf. „Unter guten Bedingungen dauert all das fünf bis acht Jahre“, erklärt Jack Medlin. „In Afghanistan könnten es 20 bis 25 Jahre werden.“ Aber die Vorbereitungen dafür, dass die Afghanen die künftige Bergbauwirtschaft selbst in die Hand nehmen, haben begonnen.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Süddeutsche Zeitung“, sueddeutsche.de

Schlagwörter: Afghanistan, Bodenschätze, Reichtum, Geologen, Geologie, Expedition, Khanneshin, Helmand, Taliban, Geologischer Dienst der USA, sowjetische Karten, Fund, Seltene Erden, Metalle, Sonderkommando für Geschäfte und Stabilität des Pentagon, Sicherheit, Militär, Infrastruktur, Minen, Minengesellschaften, Bergbau, Sponsoren, Investoren