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Afghanistan: Reiche Opiumernte – Die Taliban füllen sich die Taschen

Meldung vom 25.10.2016

Die diesjährige Opiumernte in Afghanistan übersteigt laut einem UN-Bericht wieder alle Erwartungen. Das fördert nicht nur die Drogenkriminalität, sondern auch den Terrorismus. Denn den Erlös streichen die Taliban ein.

Auf nur 12 Seiten ist in trockenen Statistiken und einigen Grafiken die wohl größte Niederlage aller Beteiligten in Afghanistan seit 2002 festgehalten. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat seinen „Opium-Überblick 2016“ herausgegeben. Das Resultat der Erhebung: Nachdem Milliarden in Anti-Drogen-Kampagnen gesteckt wurden, hat Afghanistan dennoch wieder eine enorme Opiumernte eingefahren. Die Schlussfolgerung: Das Land entwickelt sich zum „Narco-Staat“, die radikalislamischen Taliban haben sich zu schwerreichen Drogen-Fürsten hochgearbeitet, die weltgrößte Opiumindustrie weitet sich aus – ohne dass jemand eingreifen kann.

Die Zahlen sind alarmierend. Die Anbauflächen des Schlafmohns, Rohstoff für das Opium, haben sich um zehn Prozent vergrößert, auf etwa 201.000 Hektar. Nur 2013 und 2014 wurden mehr Schlafmohnfelder in Afghanistan bestellt. Das größte Anbaugebiet ist nach wie vor die bitter umkämpfte Provinz Helmand. Aber auch im Norden, wo in vielen Provinzen lange die Bundeswehr im Einsatz war, gibt es einen regelrechten Boom im Mohn-Anbau. Die Anbaufläche für die Droge hat sich hier mehr als verdreifacht.

Seit Jahren ist der afghanische Opiumertrag, von kleinen Schwankungen abgesehen, gestiegen – von 3.276 Tonnen im Jahr 2000, über 5.800 Tonnen im Jahr 2011, auf 6.400 Tonnen im Jahr 2014. Im Jahr darauf war die Ernte stark zurückgegangen, der Einbruch ließ sich auf Pflanzenkrankheiten zurückführen. Das hatte aber nur den Effekt, dass in diesem Jahr Preise und Nachfrage explodiert sind. Um die 4.800 Tonnen Opium könnte die aktuelle Ernte abwerfen. Und möglicherweise sei das noch unterschätzt, lautet es in einer Fußnote, die auf mangelnden Zugang zu Provinzen hinweist. In den Gebieten herrscht zu viel Gewalt – vor allem in jenen mit der größten Drogenproduktion.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass es mehr Opium gibt, und der Erstarkung der radikalislamischen Taliban seit 2006. „Da ist ein gut dokumentierter Zusammenhang zwischen Unsicherheit und Mohnanbau“, erklärt Jelena Bjelica vom Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network. „Mohn hat wenige Risiken in einer Hochrisiko-Umgebung. Es ist eine natürliche Wahl für Bauern im Krieg.“

Damit nimmt eine gefährliche und mittlerweile fast unumkehrbar erscheinende Entwicklung ihren Lauf. Das afghanische Opium führt nicht nur zu gesteigerter Drogenabhängigkeit und Gewalt. Es verschlechtert auch die Sicherheitslage. Denn Opium und Terrorismus bedingen einander. Die radikalislamischen Taliban mischen kräftig bei der Drogenmafia mit. In der Provinz Helmand sind mittlerweile 85 Prozent der 14 Bezirke in ihrer Hand – und damit Mohnanbaugebiete und Schmuggelrouten.

Schon 2009 sollen die Taliban laut UN 155 Millionen Dollar aus dem Opiumverkauf bezogen haben. Für das vergangene Jahr beziffert man den Erlös auf 500 Millionen Dollar. Der Operationsleiter der Antidrogen-Polizei, Abdul Bakhtiar, hatte schon vor Veröffentlichung der neuen Zahlen gewarnt, dass die Taliban „mit noch mehr territorialer Kontrolle in Helmand noch tiefer in das Geschäft einsteigen“ könnten – zum Beispiel in die Heroin-Herstellung.

Gleichzeitig scheinen die afghanische Regierung und ihre internationalen Unterstützer die Bekämpfung des Problems aufgegeben zu haben – gezwungenermaßen. In dem UNODC-Bericht ist zu lesen, dass 2016 gerade mal 355 Hektar Schlafmohn zerstört wurden. Der Bericht geht auch auf die „extrem schlechte Sicherheitssituation“ ein. Anti-Drogen-Polizist Bakhtiar kritisiert, dass „die UN und die anderen Internationalen“ seinen Einheiten in den vergangenen Jahren immer weniger Finanzen zur Verfügung gestellt hätten.

Das könnte daran liegen, dass Experten inzwischen eingesehen haben, dass das Abbrennen von Feldern kaum einen Sinn macht. Denn hunderttausende bitterarme Menschen in Afghanistan sind auf den Opiumanbau als einzige Einnahmequelle angewiesen. Den Schlafmohn zu vernichten, ohne Alternativen anzubieten, habe jahrelang „bloß dazu beigetragen, verzweifelte Bauern in die Arme der Taliban zu treiben“, meint die Afghanistan-Expertin Vanda Felbab-Brown in einer 2016 erschienen Studie für das Recherche-Institut Brookings.

Aber Alternativen lassen sich schlecht entwickeln in Landesteilen, in die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen keinen Fuß mehr setzen. Ihr Leben wurde dort immer wieder gefährdet. Ohne Frieden sind die Anti-Drogen-Initiativen damit in einer Sackgasse angelangt. Die Aussicht auf Frieden schwindet aber immer mehr, je voller die Kriegskasse der Taliban wird.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „n-tv“, n-tv.de

Schlagwörter: Afghanistan, Drogen, Opium, Schlafmohn, Opiumernte, Taliban, Drogenmafia, Helmand, UN, UNODC, Opium-Überblick 2016, Gewalt, Drogenkriminalität, Terrorismus, Schmuggelrouten, Heroin, Heroin-Herstellung, Anbaufläche, Landwirtschaft, Bauern, Krieg