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Hunger: Lebensmittelpreise in Ostafrika explodieren

 
Meldung vom 06.03.2017

Keine Entwarnung: Die zahlreichen Hungersnöte, die derzeit in Ostafrika ausgebrochen sind, werden auch weiter anhalten. Eine große Dürre, Schädlingsbefall und Bürgerkriege haben Ostafrikas Landwirtschaft zum Erliegen gebracht. Menschen drohen zu verhungern.

Fatima Numba türmt schwere Bananenstauden auf einen Haufen. Die kräftige ugandische Marktverkäuferin freut sich, während sie ihre grünen Kochbananen mustert. „Matoke“, so heißt in Uganda das Nationalgericht aus den kleinen Früchten: „Ich bin so froh, dass es jetzt wieder Matoke gibt, letztes Jahr gab es gar keine, und wenn, dann viel zu teuer.“ Sofort strömen Kunden zu Numbas Stand auf dem Zentralmarkt von Ugandas Hauptstadt Kampala und fragen nach dem Preis. 50.000 Schilling muss man für die Staude derzeit bezahlen, das sind 13,30 Euro. Viele ziehen enttäuscht wieder ab: Immer noch zu teuer.

„Immerhin sinken jetzt seit rund zwei Wochen wieder die Preise“, betont die Verkäuferin, zeigt gen Himmel und bekreuzigt sich: „Endlich hat Gott unsere Gebete erhört, und es fängt jetzt an zu regnen.“ Sie erwirbt die Kochbananen in ihrem Heimatdorf außerhalb von Kampala – wenn überhaupt welche vorhanden sind. „2016 war ein wirklich schlimmes Jahr“, erklärt die Mutter von drei Kindern. „Matoke kostete bis zu 70.000. Das zahlt mir niemand. Ich konnte meinen Kindern nur Reis und Kassawa zu Weihnachten kochen. Es ist schier eine Katastrophe, weil ich die Schulgebühren nicht bezahlen konnte.“

Regulär ist die Bananenstaude sonst 20.000 bis 30.000 Schillinge wert, umgerechnet 5,30 bis 8 Euro. Der Grund für die jüngsten Preisanstiege: Das alle vier Jahre auftretende Wetterphänomen El Niño schlug 2016 Ostafrika mit extremer Trockenheit. Die Regenzeit von Oktober bis Dezember blieb fast vollständig aus, Ernten verdorrten.

Ohne Regen gedeihen weder Bananen noch sonst etwas. In weiten Teilen Afrikas explodierten im vergangenen Jahr die Lebensmittelpreise, kaum einer konnte sich die einfachsten Nahrungsmittel mehr leisten. Selbst im sonst so grünen und fruchtbaren, aber sehr armen Burundi hielt die Dürre Einzug. Bewaffnete Konflikte wie in Südsudan und Somalia tun ihr Übriges, davon werden zuerst die Bauern in Mitleidenschaft gezogen.

Inzwischen haben in ganz Ostafrika nach UN-Angaben knapp 23 Millionen Menschen nicht mehr ausreichend Zugang zu Nahrungsmitteln und brauchen dringend Lebensmittelhilfe. Im Südsudan hungern bereits rund 4,9 Millio­nen Menschen, fast die Hälfte der Bevölkerung. 100.000 von ihnen stünden in Gefahr, in Kürze zu sterben. Die UN hat deshalb im Februar für einen Teil Südsudans eine Hungersnot diagnostiziert und Alarm geschlagen.

In Somalia kann sich ebenfalls die Hälfte der Bevölkerung nicht mehr eigenständig ernähren. Die UN-Experten rechnen jetzt mit neuen Missernten, wenn sich die nächste Regenzeit am Horn von Afrika nicht im April einstellt oder die Niederschlagsmenge gering ausfällt – dann stehe auch Somalia wieder vor einer Hungersnot.

In Burundi weisen mehr als die Hälfte aller Kleinkinder Symptome der Unterernährung auf: Hier schätzt die UN, dass die Not sich zuspitzen wird. Selbst in Uganda sind 11 Millionen Menschen in Not. Das fruchtbare und stabile Uganda hat sich eigentlich den Ruf als „Gemüsegarten der Region“ erworben. Hilfswerke decken sich in Uganda mit Tomaten, Kochbananen und Bohnen ein und verteilen oder verkaufen sie in benachbarten Krisenländern wie dem Südsudan oder der Demokratischen Republik Kongo, wo infolge des Krieges kein Anbau mehr möglich ist.

Uganda schenkt zudem rund einer Million Flüchtlingen Zuflucht, die von Lebensmittelrationen abhängig sind. Rund 70 Prozent davon stammen aus dem Südsudan. Entlang Ugandas Grenze zum Südsudan wurden mittlerweile die weltweit größten Flüchtlingslager aufgeschlagen. Wöchentlich passieren rund 10.000 die Grenze: Zumeist sind es Bauern, die vor Massakern und Milizen im Südsudan Reißaus nehmen und ihre Felder verlassen müssen.

Doch jetzt sind auch in Uganda die Preise ins Unermessliche geklettert und ist das Angebot so karg, dass es selbst für die Ugander nicht mehr genügt. Bereits 2016 musste das UN-Welternährungsprogramm (WFP) in Uganda die Lebensmittelrationen für Flüchtlinge um die Hälfte reduzieren und händigte dafür mehr Bargeld aus. Lediglich Kinder, Schwangere und Alte können sich nach wie vor auf die volle Ration verlassen: exakt 2.122 Kalorien pro Tag. Es werden mittlerweile auch keine Lebensmittel mehr aus Uganda in den Südsudan ausgeführt, wohin einst ugandische Händler jedes Ei, jede Tomate, die in Südsudans Hauptstadt Juba verzehrt wurde, per Lastwagen transportierten. Jetzt wurden diese Lieferungen eingestellt. Ein diese Woche in Kampala vorgestellter Krisenbericht besagt, dass vor allem im ertragsarmen Norden und im Osten des Landes viele Menschen bereits Wurzeln und Blätter essen müssen.

Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: Da jetzt die Regenzeit in West- und Süduganda beginnt, appellierte Ugandas Landwirtschaftsminister Vincent Ssempijja an die Bauern, schnell Bohnen und Mais zu pflanzen, die innerhalb kurzer Zeit Ertrag bringen. Damit könne sich in zwei bis drei Monaten die Ernährungssituation wieder entschärfen, versicherte er. Gleichzeitig haben Wetterexperten aber auch schlimme Unwetter und Hagelstürme angesagt, die wieder Teile der Ernte beschädigen können. Ein Wetterextrem kommt nach dem anderen.

Zu allem Übel gesellen sich auch noch Schädlinge: In Kenia und Uganda hat sich derzeit der sogenannte Armeewurm über den Mais hergemacht. Das ist eine aggressive Raupenart. Infolge einer Schweinegrippe in Ostafrika mussten 2016 in Uganda und Kenia Millionen Tiere getötet werden. Mit den Zugvögeln aus Europa hielt im Oktober zudem die Vogelgrippe wieder Einzug; die Vögel wiederum infizierten die Hühner, die ebenfalls notgeschlachtet werden mussten.

Die Dürre entfacht mittlerweile regionale Konflikte. Seit Beginn des Jahres haben sich Tausende Viehhirten aus Südsudan und Kenia auf der Suche nach Wasserstellen über die Grenzen nach Uganda begeben, schätzungsweise fast 100.000 Rinder, Esel und Ziegen im Schlepptau. Die meisten Viehhüter haben Waffen. Sie geraten nun in der Grenzregion Karamoja in Nordostuganda in Konflikt mit örtlichen Viehzüchtern, die Ugandas Armee gerade eben erst mit Gewalt entwaffnet hat.

Dass auf dem Markt von Kampala Berge von Bananen zum Verkauf angeboten werden, mildert die Umstände erst einmal nicht. Mit den horrenden Preisen gehen beispielsweise auch die Gebühren für die Schulmahlzeiten nach oben. Arme Eltern können das Schulgeld nicht mehr entrichten, ihre Kinder müssen mit knurrendem Magen lernen oder bleiben ganz weg. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF berichtet, in der gesamten Region würden rund 6 Millionen Kinder infolge der Dürre der Schule fernbleiben. „Das Ende naht für über eine Million Kinder“, mahnte UNICEF-Chef ­Anthony Lake.

Das Netzwerk Frühwarnsystem für Hungerkatastrophen (FEWS NET) hat im Januar 2017 berechnet, dass die Lebensmittelkrise in Ostafrika bis Juli dauern werde. Zunehmende Gewalt in den meisten Ländern werde die Not ansteigen lassen und zugleich Hilfe behindern, warnt das humanitäre UN-Koordinierungsbüro OCHA in seinem Ende Februar vorgestellten Ausblick auf das Jahr 2017.

6,8 Milliarden ­Dollar Hilfsgelder müssten dringend freigemacht werden, um rund 23 Millionen Betroffene ausreichend zu ernähren, und es können mehr werden. Im Sommer 2011 schockierten Fotos aus Somalia die Weltöffentlichkeit: Ausgezehrte Kindergerippe im Wüstensand, daneben hungrige Geier. Rund eine Viertelmillion Menschen starben damals in Somalia an Hunger. Die jetzige Notlage, so OCHA, sei mit dem Verlauf der damaligen Krise „weitgehend vergleichbar“.


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 Hunger in Ostafrika




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Hungerhilfe weltweit, Dürre, Hungersnot, Ostafrika, Niederschlag, Regen, Ernte, Bauern, Landwirtschaft, Aussaat, Unterernährung, Lebensmittel, Lebensmittelpreise, Trockenheit, Regenzeit, Kriege, Konflikte, Nomaden, Viehhirten, Wasserstellen, Uganda, Burundi, Äthiopien, Flüchtlinge, Südsudan, Armeewurm, Schädlinge, Mais, Maisernte, Vogelgrippe, Schweinegrippe, Notschlachtung, Tiere, UN, UNHCR, OCHA, UNICEF