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Mexiko: Viele Kirchen auch drei Monate nach dem Erdbeben noch bruchfällig

Meldung vom 20.12.2017

Am 19. September diesen Jahres suchte ein gewaltiges Erdbeben Mexiko heim. Drei Monate später kämpfen die Menschen immer noch mit den Folgen und auch die Kirche hat einen schlimmen Schaden davongetragen.

Rote Absperrbänder mit der Aufschrift „Peligro“ – „Gefahr“ durchziehen den Altarraum. In dessen Mitte hat man die Kirchenbänke provisorisch übereinander getürmt und mit einer verstaubten Plastikplane geschützt. Immer wieder lösen sich Teile der Innenfassade und zerschmettern auf dem Boden. Padre Gonzalo Iturarte leitet einen Rundgang durch die Kathedrale von San Cristóbal de las Casas, einer Stadt im Süden Mexikos. Er deutet nach oben, dahin, wo sich einst die Orgelempore befand: „Dort stand eine alte Holzorgel. Sie war zwar nicht mehr in Gebrauch, aber sie war aus dem 16. Jahrhundert.“ Das historische Instrument wurde unter den Gesteinsbrocken vollkommen verschüttet. Darüber im Dachstuhl sieht man ein metergroßes Loch, Holzbalken strecken sich wie abgebrochene Streichhölzer in den Himmel.

Das schwere Erdbeben vor drei Monaten hat den massiven Bau aus der Kolonialzeit erheblich beschädigt. Zahlreiche Säulen und Rundbögen wurden provisorisch mit Stützen versehen, weil sie einsturzgefährdet sind. Auch der Glockenturm und das Archiv mit zahlreichen historischen Dokumenten sind derzeit unbegehbar. Es sei eine Katastrophe für die Diözese, gibt der Padre zu, „aber Gott sei Dank kamen bei dem Erdbeben nicht so viele Menschen um. In anderen Bundesstaaten war das viel schlimmer.“

Aber für die Kirchen besteht jetzt die Schwierigkeit, dass so viele Gebäude geschlossen bleiben müssen: Gottesdienste werden im Freien zelebriert oder wurden in andere Kirchen, Kapellen und Gemeinderäume verlegt. „Hier sind die Gottesdienste immer voll, das müssen wir jetzt anders organisieren“, meint Iturarte. Das bekommen auch viele Bildungs- oder Sozialprojekte zu spüren, für die nun keine Räumlichkeiten mehr vorhanden sind. „Und natürlich gehen unsere Einnahmen dramatisch zurück, denn jetzt bleibt die Kollekte aus und wir bekommen kein Geld mehr, beispielsweise für Taufen oder Hochzeiten.“ Anders als in Deutschland wird in Mexiko keine Kirchensteuer eingetrieben. Die Kirche unterhält sich ausschließlich aus Spenden und die seien seit dem Beben bereits um 40 Prozent gefallen, klagt der Padre.

Dieses Schicksal teilt sich die Gemeinde in San Cristóbal de las Casas mit vielen anderen im Land. Mehrfach erzitterte in diesem Herbst die Erde in Mexiko, die verheerendsten Folgen hatte das Beben am 19. September 2017 nahe der Hauptstadt. Über 360 Menschen starben, zahlreiche Gebäude brachen zusammen oder wurden schwer beschädigt. Darunter auch über 1.600 Kathedralen, Klöster, Kapellen, Seminare, Gemeinderäume und Bildungseinrichtungen – das haben jüngste Statistiken der mexikanischen Bischofskonferenz (CEM) gezeigt.

Das sei ein Schaden, der sich noch nicht in Zahlen fassen lasse, so der Generalsekretär der mexikanischen Bischofskonferenz, Monsignore Alfonso Miranda Guardiola: In Mexiko-Stadt und in Puebla brachen mehrere Klöster und Tempel ein, die auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes geführt wurden. Historische Klöster aus dem 16. Jahrhundert zum Beispiel und Jahrhunderte alte Archive wurden einfach ausgelöscht. „Das ist wirklich ein schwerer Schlag für uns“, berichtet er, „und wir werden noch lange mit dem Wiederaufbau beschäftigt sein.“

Dafür verantwortlich ist das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH), denn Kirchengebäude in Mexiko gehören dem Staat. Doch schnelle Wiederaufbauhilfe – damit rechnet derzeit kaum jemand. Erste Kritik lässt sich hören, dass die Hilfe für die Erdbebenopfer nicht in die Gänge komme und zu ineffizient sei. Vor allem die südlichen Bundesstaaten würden vernachlässigt, sagt Padre Rogelio Narváez Martínez, Chef der Sozialpastoral – Caritas in Mexiko: „Die Menschen in den Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas haben ihre Existenzgrundlagen verloren: Mühlen wurden zerstört, Fischerboote, Öfen, Wasserspeicher, alles, was die Menschen zum täglichen Leben brauchen.“ Oaxaca und Chiapas gehören zu den ärmsten Bundesstaaten Mexikos, daher waren die Folgen des Bebens dort so verheerend. „Wir als Caritas wollen diese Menschen nun wieder in Arbeit bringen“, sagt er.

Unmittelbar nach dem Beben lief die internationale Unterstützung gut an: Die mexikanische Kirche bekam Hilfe, beispielsweise von der spanischen und der polnischen Bischofskonferenz, aber auch von US-Diözesen, vom Papst und dem deutschen Lateinamerikahilfswerk Adveniat, das 20.000 Euro als Soforthilfe fließen ließ.

Auch in der mexikanischen Bevölkerung war die Solidarität groß: Zehntausende Menschen packten in den Tagen und Wochen nach dem Beben mit an, befreiten wichtige Stätten von Trümmern, boten ihre Wohnungen als Notunterkünfte an und nutzten soziale Netzwerke, um unkompliziert und schnell Hilfe dort anzubieten, wo sie nötig war. Das hat Monsignore Alfonso Miranda von der Bischofskonferenz auch bewegt: „Der Zusammenhalt angesichts dieser Tragödie war wirklich beeindruckend“, sagt er und ergänzt: „Aber wir Mexikaner müssen weiterhin zusammenhalten und uns anstrengen. Noch eine lange Zeit.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: domradio.de

Schlagwörter: Mexiko, Erdbeben, Kirche, Klöster, Trümmer, baufällig, Gläubige, Christen, Katholische Kirche, Schaden, Zerstörung, Kollekte, Diözese, Wiederaufbauhilfe, UNESCO, Weltkulturerbe