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Darfur: Völkermord in Zeitlupe

Meldung vom 26.02.2007

Die Schreckensmeldungen aus der Region Darfur im West-Sudan reißen nicht ab. Seit im Februar 2003 verschiedene Rebellengruppen Kampagnen gegen die Regierung in Khartum starteten, haben schätzungsweise 400.000 Menschen ihr Leben verloren und befinden sich etwa zwei Millionen auf der Flucht.

Längst hat der Konflikt auch auf den Nachbarstaat Tschad übergegriffen. Die Weltgemeinschaft ist angesichts der zynisch-provokativen Haltung der sudanesischen Machthaber völlig ratlos und befindet sich in einem Dilemma: Ohne eine Intervention wird die Welt wieder Zeuge eines Völkermordes in Afrika; ein militärisches Eingreifen hingegen könnte die Lage dramatisieren.

Da das Regime in Khartum alles unternimmt, um das Ausmaß des Massensterbens zu verschleiern, fließen Informationen nur spärlich. Die systematische Behinderung der Berichterstattung zwingt Journalisten dazu, auf abenteuerliche und zum Teil illegale Weise das Land zu bereisen. Seine Erfahrungen auf mehreren solcher Reisen hat Thilo Thielke, der Afrikakorrespondent des „Spiegel“, in Buchform niedergeschrieben.

Ihm ist es gelungen, Rebellengruppen in die Krisengebiete zu begleiten und eine Reihe von zentralen Personen zu interviewen und so den Hintergrund der Konflikte zu erhellen. Bei seinem Buch handelt es sich jedoch weniger um eine reine Beschreibung des Gesehenen und Erlebten, als vielmehr um eine Art Puzzle, das verschiedene Facetten und Perspektiven verbindet: In loser Folge fügt er Passagen im Reportage-Stil, Informationen über die Kultur und Geschichte des Landes, Zitate von Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts und persönliche Reflexionen aneinander.

Thielkes Ansatz erweist sich als gut geeignet, die Vielfältigkeit der verschiedenen Landesregionen und die Wurzeln der sudanesischen Krise zu erfassen. Bei seinen Ausführungen wird vor allem eines deutlich: Der Sudan ist ein reichlich unglückliches Produkt der Kolonialherrschaft. Den Arabern und Muslimen aus dem Norden ist es nie gelungen, das gesamte Territorium zu beherrschen. Der christlich-animistische Süden fühlte sich seit der Unabhängigkeit ausgegrenzt, was sich in einem fünfzigjährigen Bürgerkrieg niederschlug. Als dem Süden in einem unter massiven internationalen Druck zustande gekommenen Friedensabkommen ein Unabhängigkeitsreferendum sowie ein Anteil an den Öl-Einkünften in Aussicht gestellt wurden, begann in Darfur der muslimisch-afrikanische Bevölkerungsteil seinen Anteil einzufordern.

Dabei folgten die Rebellen der Lehre, dass nur Gewalt internationale Akteure auf den Plan ruft, mit deren Hilfe man dann seine Ziele erreichen kann. Die Antwort der Zentralregierung, die weitere Zugeständnisse unter allen Umständen verhindern will, bestand darin, die aus dem muslimisch-arabischen Bevölkerungsteil Darfurs stammenden Janjawid-Milizen mit Waffen auszustatten. Diese ziehen nun raubend, mordend und plündernd durch das Land und führen einen regelrechten Vernichtungskrieg gegen ihre afrikanischstämmigen und daher als minderwertig angesehenen Nachbarn, wobei sich auch die Rebellen schwere Menschenrechtsverletzungen zu schulden kommen haben lassen. Leidtragender ist – wie immer – die Zivilbevölkerung.

Bei seinen Recherchen stößt Thielke aber auch auf eine Reihe von Ausländern, die zunehmend Teil des Problems werden. Während sich die Chinesen ohne Hemmungen die Rechte an den Ölquellen sichern wollen, sorgen die vermeintlichen Wohltaten der Entwicklungshelfer dafür, dass jede Eigeninitative vereitelt wird. Flankiert werden diese von Hollywood-Prominenten, die einer Art Katastrophen-Tourismus frönen. Die Truppen der Afrikanischen Union (AU) stehen sich selbst im Weg, und so mancher (norwegische) Konfliktschlichter fragt irritiert nach dem Sinn seines Einsatzes.

Thielkes Prognose zur Zukunft des Sudans ist wenig erbaulich. Nach der absehbaren Abspaltung des Südens könnten mittel- und langfristig weitere Landesteile folgen. Diese Perspektive spricht für fortgesetzte gewalttätige Auseinandersetzungen im Land. Außerdem bestand bisher unter den afrikanischen Politikern der Konsens, die aus der Kolonialzeit geerbten Grenzen nicht zu verändern. Das Beispiel Sudan könnte Gruppierungen in anderen multi-ethnischen Staaten (Nigeria, DR Kongo, Elfenbeinküste) als Vorbild dienen, ihre abspalterischen Aktivitäten zu verstärken. Damit wäre eine neue Welle von Bürgerkriegen in Afrika zu erwarten.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „n-tv“, n-tv.de