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Haiti: Eine Begegnung mit Folgen (Projektbericht)

Bericht vom 24.02.2012


Beinahe schon ein Lächeln: Kettma hat wieder Hoffnung!

Sehr gute Nachrichten erhielten wir heute aus unserem Projekt auf Haiti. Die Mitarbeiter dort konnten einer verzweifelten jungen Frau aus ihrer völlig hoffnungslosen Lage helfen und dafür sorgen, dass sie wieder neuen Lebensmut fasste. Lesen sie, was ein ehrenamtlicher Projekthelfer aus den USA nach seiner Begegnung mit ihr berichtet:

In Gedanken versunken schlendere ich über einen Markt in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince, weil ich ein paar Besorgungen machen will. Doch plötzlich bin ich hellwach – es ist, als springe mich die Armut regelrecht an. Ein hübsches junges Mädchen, scheinbar kaum älter als vierzehn, kreuzt meinen Weg. Sie macht einen äußerst verlorenen Eindruck. Ich spüre ihre Angst und Unruhe, also gehe ich auf sie zu, um zu fragen, wie ich ihr helfen kann. Ihre Antwort versetzt mir einen Schock: Sie sei dabei, für ihre vier Jahre alte Tochter einzukaufen. Nichts an ihrem abgemagerten Körper läßt darauf schließen, dass sie bereits 23 ist. Ich frage mich, wie sie mit dieser Unterernährung überhaupt noch leben kann. Die dunklen Ringe um ihre traurigen Augen zeugen von einem Leben in Armut, das bereits seinen Tribut gefordert hat. Während unseres Gesprächs erfahre ich, dass Kettma – so heißt die junge Frau – außer der vierjährigen Tochter auch noch ein achtmonatiges Baby hat, ebenfalls ein Mädchen.

Nun erzählt sie mir die ganze traurige Geschichte: Ihr Baby leidet an schrecklichem Durchfall, und Kettma ist nicht sicher, ob es überleben wird. Sie hat kein Geld, um Windeln zu kaufen, geschweige denn einen Arzt zu bezahlen. Kettma ist vollkommen verzweifelt. Ich sage ihr, sie möge doch zu unserer Station kommen, weil wir ihr gern helfen wollen. Ich kann nur hoffen, daß sie meinen Rat schnell befolgt.

Am nächsten Tag halte ich Ausschau nach ihr, und tatsächlich – sie kommt! Weil sie sich nicht einmal das preiswerteste Transportmittel Haitis, das Tap-Tap (ein meist überfülltes Kleinbus-Taxi), leisten kann, hat sie einen mehr als einstündigen Fußmarsch in Kauf genommen, und ihre Füße sind übersät mit Blasen. Rasch versorgen wir sie mit den Dingen, die sie am dringendsten für sich und ihre beiden Mädchen braucht: Medikamente, Spezialnahrung für das Baby, Windeln, Spielzeug und anderes mehr. Anschließend versuchen wir im Gespräch mit ihr mehr über ihre Lebensumstände zu erfahren, um noch gezielter helfen zu können.

Sie erzählt uns, daß sie zum Kochen und Trinken jedes Wasser nimmt, das sie irgendwo schöpfen kann, auch wenn sie damit das Risiko eingeht, daß sie oder die Kinder an Cholera erkranken. Für sauberes Trinkwasser hat sie kein Geld, auch nicht für Holzkohle, um verschmutztes Wasser abkochen zu können. Sie ist alleinerziehend und völlig mittellos. Nach einer Weile gesteht sie uns voller Scham, daß sie sich manchmal sogar prostituiert, um Geld zum Leben zu haben. Sie tut das sehr widerwillig und nur dann, wenn sie wirklich keinen anderen Ausweg mehr weiß. Dann zum Beispiel, wenn ihre beiden Mädchen vor Hunger weinen, sieht sie keinen anderen Ausweg mehr. Die Scham und die Traurigkeit, von der gleichsam jede Faser ihres Körpers durchdrungen scheint, bürgen für die Wahrheit dieser traurigen Geschichte. Eine Geschichte, wie sie viele in diesem Armutsland erzählen könnten.

Kettmas Bericht hat uns die Tränen in die Augen getrieben, aber wir wissen, es gibt Hoffnung: Wir versichern ihr, daß sie in Zukunft nie wieder ihren Körper verkaufen muß, um überleben zu können. In ihre glanzlosen dunklen Augen stiehlt sich ein Hoffnungsschimmer, und wir ermutigen sie, auch weiterhin unsere Hilfe anzunehmen. Nun bekommt sie noch etwas Geld für Lebensmittel und für die Heimfahrt im Tap-Tap. Mit der Einladung, sich am nächsten Tag wieder bei uns einzufinden, damit wir ihr dann einen Reis- und Bohnenvorrat für ihre kleine Familie geben können, verlässt Kettma uns voller Dankbarkeit und mit neuem Lebensmut.

Später sitzen wir zusammen und überlegen, wie wir dieser jungen Frau zu einer echten Perspektive für ihr Leben verhelfen können. Wir beschließen, ihr einen Klein-Kredit zu geben, damit sie ein kleines Geschäft eröffnen kann. Während wir in den darauf folgenden Tagen noch nach einer guten Geschäftsidee für Kettma suchen, löst sie dieses Problem selbst: Sie macht uns ihren eigenen Vorschlag, – den Verkauf von Second-Hand-Kleidung, die es auf dem Markt in Port-au-Prince günstig zu kaufen gibt. Gesagt, getan! In ihren Vertrag wird aufgenommen, daß sie sich nie wieder prostituieren darf, und sie nimmt diese Regelung nur zu gern an.

Innerhalb der vereinbarten Frist zahlte Kettma regelmäßig ihre Kreditraten zurück und hat nun schon fast keine Schulden mehr. Sie blüht regelrecht auf in ihrem neuen Leben und hat zu nie gekanntem Frieden gefunden. Ihr Erfolg mit dem Kleiderverkauf hat sie so ermutigt, daß sie nun mehr erreichen will: Kürzlich hat sie sich an der Kosmetik-Schule angemeldet und ist fest entschlossen, die Kosten für die Ausbildung selbst zu tragen!

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