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Rumänien: Nokia zieht wieder um – Ein Handy als Abschiedsgeschenk

 
Meldung vom 02.12.2011

Die Verlagerung des Bochumer Nokia-Werks nach Rumänien traf 2008 auf viel Protest. Schon drei Jahre später zieht die Handy-Niederlassung nach China weiter. Bis zu 15.000 Angestellte waren einmal im rumänischen „Nokia-Village“ eingeplant, doch es wurden nie mehr als 2.200. Die entlassenen Arbeiter sollen nun eine Umschulung zu Gewächshaus-Gärtnern oder Kraftfahrern erhalten.

Selbst wenn man sich in Jucu auf vertrautem Terrain befindet, kann man auf dem Weg zu dem angeschlagenen Weltkonzern die Orientierung verlieren. Der Wegweiser zur Fabrik der unerfüllten Hoffnungen wurde von der Straße ins Feld gedreht, das Firmen-Zeichen auf der Montagehalle wurde von dichten Nebelschwaden verschluckt. Ihre letzte Schicht im Nokia-Werk in Jucu haben die beiden über den leeren Parkplatz eilenden Frauen jetzt beendet. Zum Abschied hätten sie ein Handy geschenkt bekommen, erzählt Sanda. Kaum ein Trost, findet Kollegin Vasica: „Mir ist zum Heulen zumute: Sie hatten uns so viel versprochen.“

Anfang 2008 hatte der finnische Mobilfunkriese die Verlagerung seines jahrelang kräftig subventionierten Werkes in Bochum nach Rumänien mitgeteilt. Kostengründe gaben dem Konzern damals den Anstoß, nach Osten zu ziehen. Das löste in Deutschland Wellen der Entrüstung und im fernen Siebenbürgen enthusiastische Schlagzeilen aus. Bis zu 15.000 Menschen sollten im „Nokia-Village“ in dem von der Provinz Cluj-Napoca angelegten Industriepark Teratom III einmal ihren Lebensunterhalt verdienen. Doch die im Herbst 2008 einsetzende Weltwirtschaftskrise setzte allen schönen Plänen ein Ende.

Über 2.200 Mitarbeiter wurden nie eingestellt: Weder für Nokia noch für das Gastland brachte die Ansiedlung den erhofften Profit. Ein Gehalt von bis zu 1.600 Lei (knapp 400 Euro) sei ihr nach zahlreichen Tests bei ihrer Anstellung im Februar 2008 noch zugesagt worden, erzählt Sanda. Doch am Ende habe ihr Gehalt mit 900 Lei (rund 210 Euro) noch deutlich unter dem rumänischen Durchschnittsverdienst gelegen. Dennoch sei sie von dem Umzug des Werkes „völlig überrascht“ gewesen: „Wir hatten eigentlich viele Aufträge – und viel Arbeit.“ Die Produktion soll nun von den Nokia-Fabriken in China abgedeckt werden.

„Mindestens fünf Jahre Arbeit“ seien ihr bei der Anstellung in Aussicht gestellt worden, ärgert sich die Kollegin. Auch wegen der guten Sozialleistungen und des Gratis-Transports in ihr 60 Kilometer entferntes Dorf habe sie trotz des bescheidenen Gehalts „sehr gerne“ bei Nokia gearbeitet. Sie sei nicht wütend, aber „einfach enttäuscht“. Bis März kommenden Jahres würden die Gehälter noch ausgezahlt, im April gibt es dann die Abfindungen von drei bis sieben Monatslöhnen: „Aber was kommt danach?“ Sie hoffe, dass sich ein neuer Investor sich in Jucu einfinden wird, seufzt Vasica: „Wir haben alle Familien. Leicht wird es in diesen Zeiten nicht, einen neuen Job zu finden“.

Im Arbeitsamt der Provinz Cluj-Napoca gibt sich der Behördenleiter Don Daniel selbstbewusst. Über die „Reintegration“ der Nokia-Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt mache er sich „keinerlei Sorgen“. In der Provinz belaufe sich die Arbeitslosenquote gerade mal auf 3,5 Prozent, in der Stadt Cluj gar nur auf 0,9 Prozent. Die Nachfrage nach Nokia-Beschäftigten sei „groß“, betont der smarte Staatsdiener. „Ich weiß, wie ich die Leute wieder unterkriegen kann.“

Die entlassenen Nokia-Arbeiter können zudem auf eine Umschulung zu Gewächshaus-Gärtnern, Kraftfahrern oder Lagerarbeitern zurückgreifen. Aber auch ohne das sei ihre Zukunft gesichert: „Für 300 Euro im Monat findet man immer einen Job“, meint Daniel.

Cluj bleibe von der „Hauruckaktion“ der Finnen der „PR-Effekt“ und die hinterlassene Infrastruktur: „Alles kann Nokia nicht mitnehmen.“ Die meisten Mitarbeiter akzeptierten ihre Entlassung oft eher gleichgültig: „Sie waren ohnehin eher schlecht bezahlt – und hoffen auf einen besseren nächsten Job.“

Daher gab es auch keine Demonstrationen nach der Ankündigung der Werkschließung. Ein Journalist meinte: „Die Rumänen sind nun einmal so, sie protestieren nicht. Und nach zwei Jahrzehnten ständiger Veränderungen haben sie sich vielleicht auch daran gewöhnt, dass man nichts für sicher nehmen kann.“

Die neuen Fassaden der Post und der Klinik in Jucu leuchten orange und gelb an der frisch asphaltierten Dorfstraße. Der Rathausneubau ist dagegen erst halb fertig gestellt. Nokia hatte jährlich bis zu 300.000 Euro an Gewerbesteuern in die Gemeindekasse fließen lassen, das Dorf mit einem Spiel- und Sportplatz beschenkt. Doch bei der Frage nach den Folgen der Abwanderung halten sich die bislang so redseligen Dorfvorsteher bedeckt. Weder der Bürgermeister noch sein Stellvertreter stehen für ein Gespräch bereit, wimmelt die Gemeinde-Sekretärin Nachfragen ab.

Ihre Meinung über den abtrünnigen Gemeindesponsor verbergen die frühen Gäste in der Dorfkneipe hingegen nicht. „Die kamen zu uns, weil sie wussten, dass wir Rumänen so dumm sind, alles mit sich machen zu lassen“, empört sich die an den Kachelofen gelehnte Frau mit Schiebermütze. Ihr Wunsch ist nun, dass „die Deutschen“ kommen. Damit bezieht sie sich auf Gerüchte über eine Ansiedlung von Bosch: Die seien „zwar strikter, aber fair“.


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 Rumänien fordert von Nokia Subventionen zurück




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Welt Online“, welt.de

Schlagwörter: Rumänien, Nokia, Handy, Mobilfunkkonzern, Cluj, Jucu, Fabrik, Niederlassung, Entlassung, Werk, Handy, Gehalt, Beschäftigung, Teratom III, China, Abwanderung, Arbeitslosenquote