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Afghanistan: Karzai erteilt ISAF Abfuhr

 
Meldung vom 16.03.2012

Die Tötung von 16 afghanischen Zivilisten durch einen durchgedrehten US-Soldaten sorgt weiterhin für Aufruhr und zieht immer weitere Kreise. Der afghanische Präsident verlangte nun, die ISAF-Truppen sollen schon 2013 abziehen. Die Bevölkerung ist wütend. Die Taliban haben ohne Bezugnahme auf die Tat weitere Gespräche abgesagt.

Mit seinen Äußerungen dürfte der afghanische Präsident die internationale Gemeinschaft ziemlich schockiert haben. Hamid Karzai bringt damit den Abzugsfahrplan der ausländischen Truppen durcheinander. Genauer gesagt will er ihn viel früher als vorgesehen. Beide Seiten müssten sich bemühen, heißt es in einer Mitteilung Karzais, dass die Übergabe der Sicherheit von den ausländischen Truppen an die Afghanen schon 2013 abgeschlossen sei – statt 2014.

Zuvor hatte sich Karzai mit US-Verteidigungsminsiter Leon Panetta in Kabul ausgetauscht. Diesem empfahl er eigenen Angaben zufolge, alle US-Truppen aus den Dörfern in die Militär-Camps zurückzubeordern. Der Amoklauf eines Soldaten habe das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung in die Ausländer zerrüttet. Es könne nur wieder aufgebaut werden, wenn die internationalen Truppen die religiösen und kulturellen Werte der Afghanen respektieren lernten.

Die ungewöhnliche Presse-Erklärung des Präsidenten kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Land wegen des Amoklaufes noch weitgehend wie gelähmt ist: „Die Stimmung ist sehr schlecht, die Menschen sind wütend, das Parlament verlangt den öffentlichen Prozess des US-Soldaten, der Zivilisten in Kandahar getötet hat“, meint Ex-Regierungsberater Sami Sadat. „Das beschädigt die Beziehungen zwischen Afghanistan und den USA sowie den ausländischen Truppen insgesamt.“ Möglicherweise will sich Karzai mit seinen Äußerungen vom Westen abgrenzen, so spekulieren Experten. Sonst könnte der Amoklauf letztlich auch auf ihn zurückfallen und seinen Stand bei der afghanischen Bevölkerung und die Verhandlungen mit den Taliban gefährden.

Fast zeitgleich mit Karzais Äußerung reagierten die Taliban. In einer E-Mail an verschiedene Medien gaben sie bekannt, die Gespräche mit den USA vorerst einzustellen. Die Extremisten erwähnten das Massaker an den afghanischen Zivilisten durch den US-Soldaten allerdings mit keinem Wort. Vielmehr gaben sie als Begründung an, die USA hätten ihre Versprechungen nicht eingehalten. Insofern seien Verhandlungen Zeitverschwendung.

Unter anderem verlangen die Taliban die Freilassung von fünf Guantanamo-Häftlingen. Möglicherweise gab es da zu langsame Fortschritte. Ernsthafte Verhandlungen sind bislang ohnehin noch nicht zustande gekommen. Zuvor noch hatte die Taliban-Ankündigung, ein Büro im Golf-Staat Katar zu eröffnen, Hoffnungen geweckt, einen ernsthaften Austausch beginnen zu können. Die Taliban-Erklärung bedeutet nun einen frustrierenden Rückschlag.

Was den Amoklauf des US-Soldaten angeht, so hatten die USA in den vergangenen Tagen alles versucht, den Aufruhr über die Ermordung der afghanischen Zivilisten zu schlichten. Doch die Entscheidung, den Amokläufer außer Landes zu bringen, hat die Wut der Afghanen nochmals angestachelt: „Dem US-Soldaten muss in Kandahar-Stadt der Prozess gemacht werden. Warum bringen die ihn außer Landes, wenn er hier unschuldige Menschen ermordet hat? Der ist doch nur ausgeflogen worden, damit er frei kommen kann“, empört sich ein aufgebrachter Bewohner in Kabul. Auch Parlamentsabgeordnete reagierten aufgebracht und forderten, als Gegenmaßnahme solle ein Partnerschaftsabkommen mit den USA nicht signiert werden.

Dass die USA den Soldaten nicht den afghanischen Behörden übergeben und ihn damit deren Rechtsprechung überlassen würden, daran bestand von Anfang an kein Zweifel. Jedoch hatten Offizielle zunächst nicht ausgeschlossen, dass ihm in Afghanistan selbst vor einem amerikanischen Kriegsgericht der Prozess gemacht werden könnte, doch diese Möglichkeit erscheint nun hinfällig.






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „ARD-Nachrichten online“, ard.de

Schlagwörter: Afghanistan, Taliban, US-Soldaten, Hamid Karzai, Rückzug, 2013, 2014, ISAF, Leon Panetta, Wut, Aufruhr, Prozess, Amokläufer, Guantanamo, Kabul, Amoklauf