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Somalia: Das Theater läuft weiter – aller Gewalt zum Trotz

 
Meldung vom 07.05.2012

Als das Nationaltheater in Somalia seine Türen wieder öffnete, war das ein großes Hoffnungszeichen für die Menschen in Mogadischu. Doch wenige Tage nach der Wiedereröffnung erschütterte ein Selbstmordattentat die sowieso schon zerschossene Theaterruine. Schrecken und Verzweiflung griff um sich. Doch nun haben sich die Künstler wieder gegenseitig ermutigt: Sie wollen nicht aufgeben. Das neueste Projekt ist eine Talentshow ähnlich der Serie „Deutschland sucht den Superstar“.

Jabril Abdulle hatte eine Platzkarte in der Mitte des Somalischen Nationaltheaters. Er nahm in der Ehrenloge Platz, genau vor der Bühne. Der Platz gebührte ihm auch, denn der 42-Jährige hatte schließlich fast ein halbes Jahr für Momente wie diese geschuftet. Über 100.000 Dollar an Spenden eingetrieben. Musikern, Malern und Schauspielern Mut zugesprochen, um das seit 21 Jahren verwaiste Theater von Mogadischu wieder mit Leben zu erfüllen.

Die Kultur war das erste, was im Bürgerkrieg in Somalia gestrichen wurde. Musik war verboten, bis die Terrororganisation al-Schabaab vor neun Monaten Mogadischu in die Freiheit entließ.

Dieses Theater wurde vor kurzem noch als Waffenlager genutzt, nun sollte es zum Symbol der längsten Friedensperiode seit Kriegsbeginn im Jahr 1991 werden. Das Theater hat noch kein Dach, die Wände sind porös von Einschlaglöchern, für Strom sorgt ein Generator und staubig ist es selbst auf den Ehrenplätzen. Aber immerhin, wo Kultur ist, da ist Leben. Da entsteht Freiheit.

Es war der 4. April, der Premierminister Abdiweli Mohamed Ali war da, es sollte eine Erinnerung an friedliche Zeiten sein. Und ein Signal für eine friedliche Zukunft. Ein Minister erklomm die Tribüne. Abdulle, Direktor der Friedensorganisation Zentrum für Recherche und Dialog in Somalia (CRD), stand auf. Höflich bot er dem Ehrengast seinen Platz an und wich auf einen weiter von der Bühne entfernten Stuhl aus. Als die ersten Musiker bereits angefangen hatten, erschien ein Unternehmer. Wieder rückte Abdulle einen Platz weiter. Immer weiter ging es von seinem ursprünglichen Platz weg.

Er wurde nicht auf die junge Frau in dem langen schwarzen Kleid aufmerksam. Später hatten Augenzeugen, inmitten der 2.000 fröhlichen Menschen, sie als auffällig unruhig beschrieben. Die meisten Besucher waren unter 30 Jahre alt, sie waren in bunter Kleidung gekommen, für viele war es das erste Konzert in ihrem ganzen Leben. Die Frau in Schwarz aber erhob sich von einer der hinteren Sitzreihen und marschierte in Richtung Ehrenloge. Als sie innehielt, detonierte die Bombe unter ihrem Kleid. Sie nahm neun Menschen mit in den Tod. Dutzende Menschen wurden verwundet. Für eines der Opfer hatte Abdulle nur Minuten zuvor seinen Platz aufgegeben.

Wochen sind vergangen, aber Abdulle ist immer noch traumatisiert. „Ich habe durch reines Glück überlebt“, sagt er, „seit vielen Jahren lebe ich in Mogadischu, so nah bin ich dem Tod nie gekommen.“

Al-Schabaab zeigte sich für das Attentat verantwortlich, lange hat Abdulle darüber nachgedacht, warum er verschont wurde. Er kannte vier der neun Opfer gut, darunter die Präsidenten des Fußballverbands und des somalischen olympischen Komitees. Der Schmerz, einen guten Freund loslassen zu müssen, bohrt sich mit der immer gleichen Wucht ins Herz.

300.000 Menschen sind im vergangenen Halbjahr nach Mogadischu zurückgekommen. Und der Wert des Somalischen Schillings hat sich im gleichen Zeitraum fast verdoppelt. Hilfsorganisationen lassen wieder ihre Mitarbeiter in Somalia arbeiten, die Grundstückpreise sind stark gestiegen. Der Flughafen ist wieder in Betrieb, Turkish Airlines bietet nun zwei Regel-Flüge pro Woche von Istanbul nach Mogadischu an. Banken etablieren sich, auch die ersten Restaurants eröffnen. Das alles sind Investitionen in der Hoffnung, dass der Krieg zu Ende ist.

Der Aktivist wurde in den vergangenen Wochen von unzähligen Anrufen und Emails bombardiert. Künstler, Politiker und Bürger – sie alle wollten ihn ermutigen, das Theater nicht wieder sterben zu lassen. Jabulle war erstaunt über diesen Mut. 21 Jahre lang waren die Künstler nur im Untergrund aktiv. „Die Kriegsfürsten haben Künstler als Bedrohung ihrer Macht gesehen“, berichtet Abdulle, „für sie ist Kultur gefährlicher als Militär, da sie Ausdruck der Selbstbestimmung ist. Trotzdem, am Ende waren sich alle einig: Wir öffnen das Theater wieder.“

China
, das schon 1967 den Bau des Nationaltheaters finanziell unterstützte, hat seine Hilfe in Aussicht gestellt. Auch Hilfsorganisationen aus den USA und die türkische Regierung haben ihre Unterstützung für den Neubau angekündigt. Derzeit wird in dem halbzerfallenen Gemäuer ein TV-Studio eingerichtet.

Schon an diesem Wochenende soll eine Talentshow im Stil von „Deutschland sucht den Superstar“ beginnen. „Wir hoffen, dass es klappt“, meint Abdulle, „es könnte sein, dass uns die Übergangsregierung noch einen Strich durch die Rechnung macht, das weiß man in Mogadischu nie.“ Bald soll zudem eine neue Theater-Aufführung auf dem Programm stehen. „Am Tag des Anschlags waren 2.000 Menschen im Theater. Wir werden bald ein neues Konzert veranstalten, diesmal sollen 4.000 kommen“, gibt sich Abdulle optimistisch.

Er will al-Schabaab einen starken Gegenschlag versetzen: Jetzt erst recht! Über Leinwände sollen die Menschen die Musik auch vor dem Theater zu sehen bekommen, eine Live-Übertragung im Fernsehen stehe in Aussicht. Abdulle ist sich des Risikos bewusst. Aber klein beizugeben käme einer Kapitulation gleich. „Glaub mir“, bekräftigt er, „unser Wille ist nicht gebrochen. Das vermag kein Mensch. Keine Waffe.“






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Welt Online“, welt.de

Schlagwörter: Somalia, Nationaltheater, Mogadischu, Wiedereröffnung, Eröffnung, Attentat, Al-Schabaab, TV-Studio, Kultur, Bürgerkrieg, Hoffnung, Frieden, Künstler, Untergrund, Musik, Talentshow, Deutschland sucht den Superstar, Bombe, Kultur, Sicherheit, Musiker, Maler, Schauspieler