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Kenia: Neues Familienrecht – Polygamie soll legal werden

Meldung vom 15.11.2012

Kenia plant die Einführung eines neuen Familienrechtes, um gesellschaftliche Konflikte zu verringern. Dazu gehören die Abschaffung des Brautpreises, die Legitimierung von Polygamie und Kohabitation. Mit den Reformen sollen auch die lang anhaltenden Kämpfe um Viehdiebstahl eingegrenzt werden.

Kenias Regierung befasst sich derzeit mit Reformen. Der Brautpreis soll verboten werden, Polygamie wird rechtlich anerkannt und Paare, die länger als ein halbes Jahr zusammenwohnen, sollen als legal verheiratet gelten. Die Gesetzesvorlagen sollen Frauen und Kindern mehr Schutz gewähren. Aber nicht jeder Betroffene ist darüber erfreut.

Lucy ist eine zwanzigjährige Musikstudentin an der Daystar-Universität in der Hauptstadt Nairobi. Sie wohnt mehr als ein Jahr mit einem Mathematikstudenten zusammen. „Wir mögen einander und teilen uns die Miete. Aber ich will nicht den Rest meines Lebens mit ihm verbringen“, protestiert sie. Lucy und ihr Freund teilen sich ein kleines Zimmer, in dem gerade ein Bett und ein Tisch Platz haben. „Unsere Eltern wissen nicht, dass wir zusammenleben“, fügt sie hinzu. „Das zu erklären, wäre zu umständlich. Stell dir vor, wenn die Regierungspläne Gesetz werden, dann sind wir auf einmal verheiratet! Unsere Eltern würden uns umbringen“, sagt sie.

Auch außerhalb der Studentenwelt ist diese Art von Verhältnis gängig. „Komm, wir bleiben zusammen“ lautet dieses Lebensmotto im Volksmund. Oft aber wird die Frau schwanger und der Mann nimmt Reißaus. Um diesem Trend vorzubeugen, plant die Regierung eine Meldepflicht für Paare, die in sogenannter wilder Ehe zusammenleben. Wenn sie mehr als sechs Monaten zusammen wohnen, gelten sie künftig als verheiratet. Wenn die beiden sich trennen, soll das auch wieder gemeldet werden.

Ron Voti, 39, unterhält gleichzeitig drei „Komm, wir bleiben zusammen“-Beziehungen. „Ich habe insgesamt fünf Kinder“, meint er stolz. „Natürlich sorge ich für sie. Das braucht mir kein Gesetz vorzuschreiben.“ Der Händler aus Matasia, ein Dorf nicht weit von Nairobi, bezeichnet sich selbst als Polygamist, aber hat seine drei Frauen nicht offiziell geheiratet. In Kenia wird neben dem modernen Recht, das nur eine Ehefrau zulässt, auch die traditionelle Gesetzgebung geltend gemacht, in der Polygamie erlaubt ist. Voti ist nicht wild auf eine moderne Hochzeit: Er will kein Geld für den Brautpreis verschwenden, wie er meint.

In Kenia gibt es mehr als vierzig Volksgruppen, jede mit eigenen Traditionen und eigener Kultur. Bei den Hirtenvölkern muss bei einer Heirat der Mann viel Vieh an die Familie der Braut entrichten. Junge Männer, die nicht genügend Kühe, Kamele oder Ziegen besitzen, um sich eine Frau zu kaufen, stehlen deswegen oft Vieh bei Nachbarvölkern. Das mündet dann oft in blutige Kämpfe. Auch bei Bauernvölkern wird für eine Braut oft eine Kuh bezahlt, dazu vielleicht ein Kasten Bier, ein Wassertank und was der Mann sonst so braucht. Heiratslustige junge Bauern nehmen oft hohe Kredite auf.

„Ich habe kein Vieh, ich bin nicht reich, aber ich habe ein gutes Herz“, sagt Voti während er im winzigen Garten seiner dritten und jüngsten Frau mit einem seiner Söhne spielt. „Ich gebe das Geld lieber für die Kinder aus.“ Die 22-jährige Rizpa, die dritte Frau von Voti, hat gerade ihr zweites Kind zur Welt gebracht. „Wir sind alle zufrieden mit der Situation“, meint sie. „Jede Frau hat ihr eigenes Haus und wir mögen uns wie Freundinnen. Ron ist ein guter Vater und Ehemann und sorgt für uns alle.“ Anders als er aber ist sie dafür, dass die Regierung Polygamie legalisieren will.

Die Regierung strebt auch an, dass Männer und Frauen gleiche Rechte in der Ehe erhalten. Das bedeutet zum Beispiel, dass Witwen zukünftig das Erbe von ihren verstorbenen Ehemännern antreten können. In vielen kenianischen Kulturen wird das nicht so gehalten. Oft gehen Witwen beim Tod des Mannes leer aus, die Familie des verstorbenen Ehemannes erbt seinen ganzen Besitz und verstößt die Frau. Ob die Regierungspläne vom Parlament angenommen werden, ist ungewiss. Mehr als 90 Prozent der Abgeordneten sind Männer.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Die Tageszeitung“, taz.de

Schlagwörter: Kenia, Familienrecht, Ehe, Polygamie, Reformen, Legitimierung, Brautpreis, Viehdiebstahl, Paare, Meldepflicht, Hirtenvölker, Nairobi