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Indien: Frauenrechte in Pink – Aktivistinnen gehen auf die Barrikaden

Meldung vom 02.04.2014

Ihr Markenzeichen sind pinkfarbene Saris und pinkfarbene Knüppel. Sie belagern Polizeistationen und Regierungsgebäude, besetzen Straßen und stürzen durch ihre Proteste Politiker: Die Frauen der Gulabi Gang lehnen sich in Indien gegen die Herrschaft der Männer auf. Ihre Methoden sind ungewöhnlich. Und sie bewirken etwas.

„In Indien ist es ein Fluch, auf der untersten Stufe der sozialen Leiter zu stehen, aber mindestens genauso schwierig ist es, eine Frau zu sein.“ Das erklärt die Frauenrechtsaktivistin Sampat Pal Devi über die gesellschaftliche Situation von Frauen in einem Land, in dem vorwiegend Männer entscheiden. Aus eigener Erfahrung mit tyrannischen Schwiegereltern und gewalttätigen Ehemännern in der Nachbarschaft gründete Sampat Pal eine Protestbewegung, die wenig später unter dem Namen Gulabi Gang populär werden sollte, auf Deutsch bedeutet das: Die Pinkfarbene Bande.

Sie kämpfen für eine bessere Behandlung von Frauen und Mädchen in Uttar Pradesh, einem der bevölkerungsreichsten und gleichzeitig ärmsten Bundesstaaten Indiens mit einer der höchsten Kriminalitätsraten des Landes. Die Gang schreitet ein gegen sexuelle und andere körperliche Gewalt, soziale Ungerechtigkeit, Korruption und Kinderehen.

Ihre Methoden sind genauso außergewöhnlich wie durchgreifend. Ihre Stärke liegt in der Menge – und ihrem auffälligen Markenzeichen. Wenn sich Hunderte von Frauen in pinkfarbenen Saris und mit pinkfarbenen Knüppeln in eine Polizeistation drängen, um gegen die ungerechte Festnahme einer „Schwester“ zu protestieren, bewegt das etwas. Gefürchtet sind die Frauen der Gulabi Gang aber nicht bloß wegen ihrer Knüppel oder bloßen Anwesenheit in der Masse. Sie bedienen sich einer Waffe, die untätige Polizeibeamte, korrupte Abgeordnete oder brutale Verbrecher gleichermaßen an die Wand drückt: Öffentlichkeitswirksamkeit.

Hinzu kommt das Vorgehen der Frauen, die sich nicht scheuen, sich aggressiv gegen Männer zu wehren und Kriminelle unbeirrt zu verfolgen, wie Amana Fontanella-Khan sagt, die einige Jahre mit den Frauen auf dem Weg war. Ihr Buch „Pink Sari Revolution – Die Geschichte von Sampat Pal, der Gulabi Gang und ihrem Kampf für die Frauen Indiens“ ist gerade auf dem deutschen Buchmarkt erschienen.

Laut Fontanella-Khan stößt die Taktik, nach der mit Knüppeln bewaffnete Frauen aufbegehren und mit einem traditionellen Rollenverständnis aufräumen, auf große Sympathie in Bevölkerung und Presse. Das ist etwas ganz Neues: Frauen, die ihr Leben und Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich nicht länger nur als Opfer abstempeln lassen. Nicht allein gewaltbereite Ehemänner haben vor dem skandalösen Verhalten Respekt, sondern auch Staatsbeamte bis in die höchsten Ränge der Politik. Mit ihren Aktionen hat die Gulabi Gang schon mächtige Abgeordnete gestürzt.

Dies ist umso bemerkenswerter, als dass viele der Frauen Analphabetinnen sind. Die Mehrheit der Mitglieder stammt aus der untersten sozialen Gruppe der Dalits (auch als „Unberührbare“ bezeichnet), die aus dem Kastensystem ganz herausfallen. Ihnen ist als Mädchen der Schulbesuch verwehrt. Ihre mangelnde Bildung gleichen die Frauen durch Solidarität und Organisation aus. Zu einer Zeit, in der vor allem Gewalt gegen Frauen in aller Munde ist, setzt die Gulabi Gang mit ihrer Wehrhaftigkeit ein klares Signal gegen das Patriarchat.

Die Aktionen der Gulabi Gang sind dabei nicht spezifisch weiblich; nicht einmal die Farbe Pink wird in Indien mit Weiblichkeit gleichgesetzt. Es war einfach die einzige Farbe, die nicht schon durch eine politische Gruppierung in Anspruch genommen war. Und die Strategie der Gulabi Gang ist von einer Form des Protests beeinflusst, die in Indien unabhängig vom Geschlecht schon lange gängig ist: dem sogenannten „Gherao“.

Und diese Protestform funktioniert so: Spontan versammeln sich aufgebrachte Menschen, denen kollektiv Unrecht widerfahren ist und die vom Justizsystem keine Gerechtigkeit zugesprochen bekommen. Sie besetzen Polizeistationen, Gerichte, Universitäten oder Fabriken und versperren die Ein- und Ausgänge. Niemand kommt mehr heraus – bis man sich um ihr Anliegen kümmert.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de

Schlagwörter: Indien, Frauenrechte, Frauen, pinkfarben, Sari, Gulabi Gang, Protest, Dalits, Kasten, Wehrhaftigkeit, Knüppel, Kinderehe, Ungerechtigkeit, Vergewaltigung, Patriarchat, Gender, Besetzung, Pinkfarbene Bande, Pink Sari Revolution, Justiz, Polizei, Gerechtigkeit, Politik, Uttar Pradesh