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Nicaragua: Mit Null-Hunger-Programm auf Wählerfang

Meldung vom 29.04.2009

In Nicaragua hat Präsident Ortega das „Hambre-Cero“-Programm ins Leben gerufen. Doch Hungerbekämpfung scheint nicht sein ausschließliches Ziel zu sein. Experten bezweifeln die Nachhaltigkeit dieses Projektes und hegen den Verdacht, dass von der Aktion nur Parteianhänger profitieren.

In Chompipe, einem kleinen Dorf von 250 Einwohnern in der Gemeinde Muy Muy, mitten in Nicaragua, lebt Hilda Castro Alaniz, 40, mit ihrem Mann und den drei Kindern in einer kleinen Holzhütte mit zwei Räumen. Als Küche dient ein halb offener Bretterverschlag mit einer Plastikplane als Dach. Vor wenigen Tagen hat sich Doña Hildas Lage verbessert: Ihr neuester Schatz steht im Garten und grunzt.

Die Muttersau hat sie von der Regierung geschenkt bekommen und sie „Progreso“ genannt, Fortschritt. Die anderen Regierungen hätten nur auf die Reichen geachtet, meint Doña Hilda. „Aber Comandante Daniel, der sorgt sich um uns, um die Armen.“ Über die Tatsache, dass die neue Kuh auf der Weide nicht gesund ist, sieht sie großzügig hinweg. Sie liefert leider keine Milch.

Das „Null-Hunger-Programm“, das Doña Hilda zugute kam, richtet sich ausdrücklich an Frauen. Die Unterstützung hat den Wert von 1.500 US-Dollar pro Person und besteht aus einer trächtigen Kuh, einer Sau, Hühnern, diversem Baumaterial und Pflanzen-Samen. Für die Vergabe wird lediglich Armut und ein Stück Land, auf dem die Kuh weiden kann, vorausgesetzt. In fünf Jahren sollen damit insgesamt 75.000 Familien der Armut entfliehen können, das sicherte der jetzige Präsident Daniel Ortega im Wahlkampf zu. Bislang haben laut Regierung bereits über 30.000 Frauen die Güter erhalten.

Das Landwirtschaftsministerium setzt das Programm um. Die Entscheidung aber, wer von dem Programm profitieren wird, treffen in der Regel die Räte der Bürgergewalt. Diese Räte sollen eigentlich „direkte Demokratie“ sicherstellen, stehen jedoch in der Praxis unter direkter Beeinflussung der Regierungspartei FSLN. Kritiker weisen darauf hin, dass dieses Programm nur Wählerstimmen sichern soll.

Hambre Cero ist lediglich ein Wahlkampf-Programm und ändert die Bedingungen der Lebensmittelproduktion nicht“, bemängelt der Ökonom und Experte für Ernährungssicherheit Cidilo Otero. Man müsse ein solches Programm aus einer wirtschaftlichen und nicht aus einer politischen Motivation heraus durchführen. Otero fordert die Regierung stattdessen auf, sich zuerst um den Bau von Infrastruktur zu kümmern, um die Produkte verkaufen zu können und um Schulungen für die Bauern. Eine Schulung sei nötig, damit diese überhaupt lernen, was sie bei der Tierhaltung beachten müssen.

Der Erfinder des „Null-Hunger-Programms“, Orlando Núñez Soto, verteidigt seine Aktion. Auch Oppositionsanhängern käme das Programm zugute. Zwar könnten Ortega und die Regierungspartei FSLN mit diesem Programm durchaus Stimmen auf ihre Seite ziehen. Aber dies sei nicht der einzige Grund für die Aktion. „Das Programm ist absolut nachhaltig.“ Kein einziges Mal wäre es passiert, dass die Begünstigten die Tiere verkaufen oder gar sofort aufessen. Das Gegenteil sei der Fall. Sie verstünden es, das Kapital gut einzusetzen. Man müsse Vertrauen in die Frauen setzen, sagt Núñez. „Denn die Frauen verkaufen nicht das Schweinefleisch, das für ihre Kinder bestimmt ist.“

Doña Hilda gibt zu, dass ihre Parteinähe bei der Auswahl vielleicht eine Rolle gespielt hat. Auf der anderen Seite ist sie überzeugt davon, dass das „Hambre Cero“-Programm sie und ihre Familie aus der Armut retten kann. Den nächsten Schritt hat sie sich schon vorgenommen: Zusammen mit den anderen begünstigten Frauen im Dorf will sie eine Kooperative gründen, um ihre Produkte zu vermarkten. Im Moment hat Doña Hilda nur einen Wunsch: dass Präsident Daniel Ortega noch möglichst lange im Amt bleibt und weiter für die Armen sorgt.




Quelle:  „Deutsche Welle“, dw-world.de