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Afghanistan: Schulen geraten in die Kampfzone – Mädchen wieder unerwünscht

Meldung vom 11.04.2016

Einer der Erfolge in den langen Kriegswirren Afghanistans nach dem Sturz der Taliban war die Sicherung des Schulbesuchs. Millionen Kinder – insbesondere Mädchen – konnten wieder in den Unterricht gehen. Doch diese Errungenschaft droht im Süden und in anderen Kampfgebieten wieder verloren zu gehen.

Hunderte Schulen stehen kurz vor der Schließung. Zum einen sind die andauernden Gefechte der Grund, zum anderen die Schikane der Taliban. Manchmal kommt auch beides zusammen, wie das Beispiel der Loy-Manda-Oberschule in der Provinz Helmand, Hauptwirkungskreis der Taliban, zeigt. Als die radikalislamischen Extremisten im Winter 2015 in den Kampf zogen, geriet die Schule im Bezirk Nad Ali zwischen die Fronten. „Wir hatten sechs Räume, Bücher, Stühle. Aber jetzt ist alles zerstört“, klagt Rektor Hekmatallah, der wie viele Afghanen nur einen Namen hat.

Hekmatallah ringt um eine Wiedereröffnung. Doch dafür ist er auf die Erlaubnis der Taliban angewiesen, wenn er nicht zum Anschlagsziel werden will. Und die Taliban gestatten den Betrieb nur, wenn in der Schule ausschließlich Jungen und keine Mädchen gelehrt werden und der Unterricht auf der radikalen Auslegung des Islams basiert. Die Taliban legten Minen um das Gebiet der Schule. Die Regierungstruppen haben nur rund 40 Meter von der Schule entfernt einen Stützpunkt eingerichtet – und damit ist die Region ein Unruheherd. In dieser angespannten Situation, in der Zerstörung und Gewalt herrschen, kann keiner der 650 Schüler zur Schule gehen.

Dieses Los teilen sie mit einer wachsenden Zahl von Kindern in den umkämpften Regionen des Landes. Im Jahr 2015 mussten 615 Schulen in den elf unruhigsten Provinzen des Landes wegen der Kämpfe ihren Betrieb einstellen, wie das Bildungsministerium angab. Bereits im Jahr davor traf das für weitere 600 Schulen zu.

Beinahe die Hälfte der Schulschließungen wurden in den letzten Monaten von 2015 registriert, als die Taliban anders als in früheren Jahren ihre kriegerischen Aktivitäten sogar den Winter über weiterführten. Vor allem die wärmeren südlichen Provinzen litten unter den Gefechten, erklärt Ministeriumssprecher Mudschib Mehrdad. 2015 mussten 105 der 545 Schulen in Helmand schließen, im benachbarten Kandahar waren es 150 von 545. Am meisten betroffen war Sabul, wo 140 Schulen nun leer stehen – mehr als die Hälfte der insgesamt 242 Schulen.

Nach Zählungen der Vereinten Nationen kamen 25 Schüler, Lehrer und andere Schulbedienstete bei Angriffen der Taliban ums Leben. Und im Osten entwickelt sich eine neue Front: In der Provinz Nangarhar drang die Terrormiliz Islamischer Staat in einige Bezirke ein, untersagte den Frauen zu arbeiten und Mädchen zur Schule zu gehen. In einigen Fällen wurden sogar Zwangsehen angeordnet, wie Vertriebene meldeten.

Doch der religiöse Hass auf Schulen und Bildung für Mädchen ist nicht die einzige Ursache, wieso immer mehr Schulen ihren Dienst einstellen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt, dass das afghanische Militär Waffen in und um Schulen in Kampfgebieten lagert und die Gebäude zu Befestigungen umfunktioniert – ungeachtet der Tatsache, dass Präsident Aschraf Ghani die militärische Nutzung von Schulgebäuden im vergangenen Jahr untersagt hat. Die Nutzung durch die Armee bedeutet eine „große Gefahr eines Angriffs von Aufständischen, die die Schulen dann als militärische Ziele sehen“, sagt HRW-Experte Ahmad Schudscha.

Während ihrer Herrschaft hatten die Taliban die Mädchen von jeglicher Bildung ausgeschlossen. Nach ihrem Sturz eroberten sich die Mädchen und Frauen ihren Platz an Schulen und Universitäten wieder zurück. Mit Finanzierung der internationalen Gemeinschaft wuchs die Zahl der Kinder in Schulen nach Zahlen der Vereinten Nationen von 900.000 im Jahr 2001 auf 8,3 Millionen im Jahr 2011. Der Anteil der Mädchen sprang demnach von nahezu Null auf 39 Prozent. Doch in den Bezirken, in denen die Taliban inzwischen ihre Herrschaft wieder aufgerichtet haben, werden nun wieder Mädchen aus den Klassenzimmern vertrieben und die Jungen müssen sich einem radikalislamischen Lehrplan unterwerfen.

In Helmand, wo die Taliban wichtige Schmuggelrouten für Drogen und andere Güter betreiben, seien bei den schweren Kämpfen der vergangenen Monate mehrere Schulen wie Loy Manda mitten in die Kampflinie geraten, sagt Abdul Matin Dschafar, Leiter der örtlichen Bildungsbehörde. Im Bezirk Gereschk sei ein Gebäude seiner Behörde von Aufständischen attackiert und komplett vernichtet worden. Selbst die Büros wurden zerstört, so dass es keine Unterrichtsmöglichkeit mehr gebe.

Bezeichnend ist der Fall von Mohammed Mosa: Er nahm seine Kinder aus der Schule in Nad Ali, nachdem die Kämpfe sich ausweiteten. Er brachte sie in der Provinzhauptstadt Laschkar Gah unter – nicht nur wegen ihrer Sicherheit, sondern auch um ihnen eine grundlegende Bildung zu ermöglichen. Denn die Taliban hatten den Eltern mitgeteilt, dass sie den Schulbetrieb zwar wieder genehmigen würden – aber nur wenn sie einen der Kämpfer fänden, der darüber wache, dass nur islamische Themen auf dem Stundenplan stünden, wie Mosa sagte.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „RP Online“, rp-online.de

Schlagwörter: Afghanistan, Schulen, Taliban, Islamischer Staat, Bildung, Mädchen, Frauen, Gender, Schulbesuch, Helmand, Schließung, Islam, Provinzen, Schulgebäude, Kämpfe, Gefechte