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Philippinen: Digitales Putzteam

Meldung vom 02.05.2016

Arbeit, die keiner machen möchte: Auf den Philippinen gibt es viele Arbeitszweige, die aus westlichen Ländern ausgelagert werden. Dazu gehört zum Beispiel die Reinigung des Internet. Philippinische Arbeiter müssen beispielsweise die Internetplattform Facebook acht Stunden täglich nach unangemessener Gewalt, Pornos und Perversion durchkämmen. Ein harter Job unter schlechten Arbeitsbedingungen.

Wer sorgt dafür, dass Gewaltvideos und Pornobilder von Facebook und anderen sozialen Mediendiensten ausgefiltert werden? Das ist die Aufgabe der sogenannten „Commercial-Content-Moderatoren.“ Man kann diese Menschen als digitale Müllabfuhr bezeichnen. Die meisten sitzen in Manila. Doch die Billigzensoren zahlen einen hohen Preis für ihren Job.

Gewalt, Pornos und Perversion – auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken wird der normale Nutzer damit meistens nicht konfrontiert. Computergesteuerte Filter können aber oft nicht unterscheiden, welche Bilder oder Videos noch akzeptabel sind und welche die Grenze des Angemessenen überschreiten. Diese Aufgabe übernehmen Menschen. Acht Stunden täglich müssen sogenannte Content-Manager, die oft in Büros in Manila sitzen, sich mit teils verstörenden Inhalten abmühen, wie der Theaterregisseur Moritz Riesewieck in einer Studie beobachtet hat.

Oft tragen die Content-Manager seelische Folgen davon, wie Riesewieck im Rahmen einer szenischen Lesung bei der Heinrich-Böll-Stiftung berichtet hat. Mittlerweile soll es an der Tagesordnung sein, die Mitarbeiter nach zwei Jahren wieder zu entlassen, um den Betreffenden mögliche Zusammenbrüche zu ersparen.

Informationen über die Arbeitsbedingungen auf den Philippinen zu beziehen, war schwierig. Die Mitarbeiter der externen Dienstleister wie TaskUs haben sich vertraglich zum Schweigen verpflichtet, nicht einmal ihren Partnern dürfen sie berichten, was sie bei ihrer Arbeit an oft abartigen Bildern sehen. Bei Übertretung des Schweigegebots drohen Strafen.

Die Philippinen gelten als bestmöglicher Standort für die Content-Moderation für US-amerikanische Konzerne, da dort neben geringen Lohnkosten gute englische Sprachkenntnisse zu finden sind und die katholische Glaubensprägung eine hohe Arbeitsmoral gewährleistet, erklärt Riesewieck. Dadurch können die großen Konzerne aus dem Digitalsektor darauf bauen, dass westliche Standards eingehalten werden. Die Zensur der Beiträge entspricht dann westlichen Moralvorstellungen.

Welches Raster die jungen philippinischen Arbeiterinnen und Arbeiter anwenden, um Fotos oder Videos von den Plattformen zu löschen, welche Entscheidungshilfen ihnen an die Hand gegeben werden, soll übrigens ebenso im Unklaren bleiben wie die Arbeitsbedingungen. Laut einer Anleitung, die im Jahr 2012 im Internet veröffentlicht wurde, sind beispielsweise „zertrümmerte Köpfe okay [...], solange kein Gehirn zu sehen ist“. Die schwierigen Entscheidungen, beispielsweise ob Bilder dem Mobbing dienen, oder ob Ironie im Spiel ist, sollen die externen Dienstleister in Sekundenschnelle treffen.




Quelle: „t3n digital pioneers“, www.t3n.de

Schlagwörter: Philippinen, Internet, Outsourcing, Arbeit, Reinigung, Gewalt, Pornos, Perversion, Filter, Zensur, Facebook, Manila, Arbeitnehmer, Content-Manager, seelische Krankheiten, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Bilder, Videos, Schweigepflicht, Katholische Kirche, Moral, Lohnkosten, Mindestlohn, Dienstleister