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Haiti: Erdbebenopfer haben Hoffnung aufgegeben

Meldung vom 27.12.2016

Fast sieben Jahre liegt das schwere Erdbeben in Haiti schon zurück, Hilfszahlungen in Millionenhöhe sind in das Land geflossen. Trotzdem harren noch immer Zehntausende in behelfsmäßigen Lagern aus. Denn die Politik ist gescheitert.

Vor fast sieben Jahren mussten Adrienne St. Fume und ihre Angehörigen aus ihrem Haus in Port-au-Prince rennen. Die Erde erzitterte und die haitianische Hauptstadt stürzte vor ihren Augen ein wie ein Kartenhaus. Die Familie wurde in einem Lager an einer Hauptstraße untergebracht – vorübergehend, wie damals alle glaubten. Doch der vorübergehende Zustand wurde zum Dauerzustand.

Die Mutter von drei Kindern sagt, sie habe die Sperrholzhütte zunächst als zeitlich begrenzte Notunterkunft betrachtet. Schließlich sollte die Stadt nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,0 am 12. Januar 2010 mit finanzieller Hilfe der westlichen Länder wieder aufgebaut werden. Aber eine feste und dauerhafte Bleibe wurde der Familie bis heute nicht zugewiesen. „Es ist schwierig, aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen, um hier leben zu können“, klagt St. Fume.

Wie sie hausen hier noch mindestens 50.000 Menschen in 31 Lagern, die sich in den Tagen und Wochen nach der schweren Naturkatastrophe bildeten. Die Zahl der Bewohner in diesen Notunterkünften ging nach der Katastrophe zwar stark zurück, aber die Verbliebenen sind ein Warnsignal dafür, dass das Land noch immer nicht vollständig auf die Beine gekommen ist.

Rund 1,5 Millionen Menschen hielten sich nach Schätzungen der Behörden im Juli 2010 – also ein halbes Jahr nach dem Erdbeben – noch in mehr als 1.500 Lagern auf. Diese Zahl sank, weil viele von privaten Grundbesitzern herausgedrängt wurden. Einige erhielten auch genug Geld, um ihr Haus wieder aufzubauen. Auch ein Regierungsprogramm, wonach Menschen Mietzuschüsse erhielten, ermöglichte für manche einen Neubeginn.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat noch ein Budget von sieben Millionen Dollar, um die Menschen aus drei Lagern in Port-au-Prince umzusiedeln. Das Geld sei jedoch nicht ausreichend, sagt Fabien Sambussy, die IOM-Chefin in dem Karibikstaat. Und selbst wenn mehr Geld zur Verfügung stünde, so wäre es immer noch problematisch, für alle Vertriebenen Wohnraum zu schaffen in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen muss und das Wohnen immer mehr Geld verschlingt.

Einige Menschen haben resigniert und wollen ihr Lager gar nicht mehr verlassen, das sich in vielen Fällen zu einer Art Slum entwickelt hat. „Es ist ziemlich schwierig, sie zu überzeugen, dass sie nach sechs Jahren dort nicht zuhause sind“, sagt Sambussy. Ihre Organisation habe sich bemüht, einen humanen Weg zur Räumung der Lager zu beschreiten, nachdem es in den ersten Jahren nach dem Beben zu Zwangsvertreibungen gekommen sei.

St. Fume, die mit dem Verkauf von Kohle ihre Existenz bestreitet, wäre im Gegensatz zu einigen Nachbarn sofort bereit, mit ihrem Ehemann und den drei Kinder in eine neue Behausung zu ziehen. Die Mutter wünscht sich sehnlichst, in einem „anständigen Haus“ zu wohnen und sich nicht ständig um die Kinder sorgen zu müssen.

In einem Gebiet in der Nähe des Flughafens, das Tabarre heißt, berichten andere Erdbebenflüchtlinge, sie hätten kaum eine Chance, anderswo ein dauerhaftes Heim zu bekommen. Darum hätten sie Vorschläge der Behörden abgelehnt, sie mit Mietzuschüssen für ein Jahr in Wohnungen umzusiedeln. „Wir haben dieses Land übernommen“, meint Wilson Mathieu, der in dem staubigen Camp einen kleinen Laden gegründet hat. „Dieser Ort ist jetzt unser Zuhause. Und wir wollen, dass er als unser Dorf betrachtet wird.“

Die Mietzuschüsse waren eine kurzfristige Maßnahme, die Lager zu entlasten, sie wurden allerdings nicht von einer langfristig tragfähigen Wohnungsbaupolitik gestützt, wie Robin Guittard von Amnesty International beobachtet hat. Sowohl die haitianischen Behörden als auch die internationalen Organisationen hätten fehlerhaft geplant.

Wegen der Wohnungsknappheit waren viele obdachlose Haitianer gezwungen, sich in die bereits überfüllten Wohnungen und Häuser von Angehörigen zu drängen oder sich Baracken in den Slums an den Berghängen außerhalb von Port-au-Prince zusammenzuzimmern. In einer dieser Elendssiedlungen haben sich inzwischen mindestens 250.000 Menschen niedergelassen.

Dabei war alles ganz anders gedacht. Die haitianische Regierung und internationale Berater wollten aus der Zerstörung von Port-au-Prince einen Nutzen ziehen und die Metropole entlasten, indem sie Menschen aufs Land umsiedeln. Das Beben bot die Möglichkeit, eine Dezentralisierung durchzuführen. Die Pläne zum Bau von Häusern und Wohnungen wurden leider verworfen. Nach einigen Jahren überließen viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen das Land dem Chaos. Seit 2014 gibt es nur noch finanzielle Unterstützung, wenn weitere konkrete Krisen anfallen, etwa die Ausbreitung von Cholera.

St. Fume hat resigniert. „Ich weiß nur, dass wir dem Staat eigentlich egal sind“, erklärt sie in ihrer Holzhütte. „Wenn es anders wäre, hätten sie bis jetzt etwas getan.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Handelsblatt“, handelsblatt.com

Schlagwörter: Haiti, Erdbeben, Erdbebenopfer, Resignation, Wohnungen, Wohnungsbau, Politik, versagt, Slums, Elendsviertel, Zerstörung, Port-au-Prince, Cholera, Dezentralisierung, Mietzuschüsse, Katastrophenhilfe