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Somalia: Somaliland – eine kleines Territorium neben Somalia will auf eigenen Beinen stehen

Meldung vom 15.02.2017

Somaliland, eine kleine Region Somalias, wollte sich selbstständig machen. Doch keine Nation erkennt das Gebiet als Staat an – das hat viele Konsequenzen. Die Sonne brennt auf die staubigen Wege, es sind über 30 Grad, normale Temperaturen auch im Winter in Downtown Hargeysa, der somaliländischen Hauptstadt. Männer dösen in den Schattenbereichen, die Frauen in ihren farbigen, breitgemusterten Hidschabs dagegen sind auch um die Mittagshitze aktiv. Sie verkaufen Orangen, Bananen, Gemüse und jede Menge Khat – die pflanzliche Kaudroge, die den Hunger lindert und aufputscht, hier ist sie legal.

In Somaliland sind zwei Drittel der Frauen diejenigen, die das Geld nach Hause bringen, besagen Schätzungen. Und das meist im selben Zeitraum, indem sie im Schnitt sechs Kinder gebären. Klingt wie ein Wunder, und man fragt sich, wie gelingt das diesen Frauen? In Deutschland sind viele schon mit einem Kind und einem Job überlastet.

„Uns bleibt nichts anderes übrig“, meint Nafisa Yusuf in ihrem Büro, sie ist Geschäftsführerin von Nagaad, der größten Frauenorganisation in Somaliland mit 46 Mitgliedsvereinen. Wer so viele Kinder ernähren muss, muss alles daran setzen, um über die Runden zu kommen. Doch eines ist bei den Somaliländern ganz klar: „Kinder sind unser Reichtum.“ Kaum jemand zweifelt in dem zu 100 Prozent muslimischen Land Traditionen wie das Kinderkriegen an. Frauen hüllen sich fromm in den Hidschab, nehmen aber selten Verhütungsmittel in Anspruch und bringen viele Kinder zur Welt – trotz der Arbeit.

Vor allem nach dem Kriegsende vor 25 Jahren blieb den Frauen nichts anderes übrig, als die Jobs ihrer verletzten Männer auszufüllen. Zudem gibt es ein weiteres Problem: „Viele Männer verfallen dem Khat-Konsum und sind berufsunfähig“, erklärt Yusuf. Meist verdingen sich die Frauen selbständig, auf dem Markt, in der Landwirtschaft oder als Näherinnen. Aber kaum eine macht mit diesen Arbeiten Karriere. Das Geld reiche gerade für den monatlichen Bedarf. Das kann man darauf zurückführen, dass das Land immer noch äußerst arm ist und regelmäßig von Dürren heimgesucht wird. „Aber die Banken geben den Frauen keine Kredite“, weiß Yusuf. Auch sei ein großer Mangel an betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten vorhanden. Yusuf und ihre Organisation Nagaad ermöglichen den Frauen die Teilnahme an Management-Workshops.

Kaum jemand weiß etwas über Somaliland, obwohl es größer als Griechenland ist und geschätzte 4,5 Millionen Einwohner dort wohnen. „Land“ ist allerdings nicht ganz die richtige Bezeichnung – denn Somaliland ist von keinem Land der Welt als Staat anerkannt, obwohl es 1991 seine Unabhängigkeit proklamierte und seither eine eigene Politik und Wirtschaft vorweisen kann, welche funktioniert. Obwohl es kaum internationale Unterstützung bekam, funktionieren die Demokratie ebenso wie Bildung und Frieden besser als im Rest von Somalia, wo die Terrormiliz Al-Schabaab ihr Unwesen treibt.

Am 8. Februar 2017 gelang es in Somalia unter hohen Sicherheitsvorkehrungen, die immer wieder verschobene Präsidentenwahl durchzuführen. Doch nicht die Bürger – wie vorgesehen – gingen zur Urne, sondern die Parlamentsabgeordneten. Die Abstimmung fand in einem bewachten Flughafenhangar statt. Und Somaliländer gaben auf Twitter unter dem Hashtag #educateUNSOM ihrem Unmut darüber Ausdruck, dass die UN auch Abgeordnete für ihr Territorium wählen lässt. Denn ihre eigenen Wahlen – die nächste wurde auf den 28. März 2017 gelegt – verlaufen vergleichsweise friedlich. Somaliländer stehen stolz zu ihrer selbst ausgerufenen Unabhängigkeit. Die fehlende Anerkennung störe aber den Entwicklungsprozess und verzögere das wirtschaftliche Vorankommen. Keine internationale Bank will dort ein Standbein aufbauen. Nur auf Äthiopien ist als treuer Handelspartner Verlass. Viele Familien sind auf das Geld aus der Diaspora angewiesen.

In diesem Gesellschaftssystem sind Frauen das schwächste Glied. Sie werden kaum gefördert, denn auch in der Politik treten sie kaum zu Tage. Für eine Frau ist es laut Yusuf viel schwieriger, Geld für eine Wahlkampagne zusammen zu bringen – geschweige denn gewählt zu werden. Immerhin hat Somaliland aber ein prominentes Vorbild: Edna Adan Ismail, Mutter der Nation, arbeitete ehemals als Außenministerin, das größte Krankenhaus ist nach ihr benannt.

Auch Baar Saeed Farah gelang der Absprung. Sie arbeitet als erste und einzige Frau unter 82 Parlamentariern in Somaliland. Zu Beginn der Wahlperiode 2005 war noch eine zweite gewählte Frau vorhanden. „Ihr Mann starb, also musste sie sich um die Kinder kümmern und aus der Politik ausscheiden“, berichtet Farah, sie hat eine Hornbrille auf der Nase und trägt graublaue Tücher um den Kopf. Sie kümmert sich um elf eigene Kinder. Sie verdient als Parlamentarierin ein gutes Gehalt, doch am Ende des Monats ist auch ihr Geld immer aufgebraucht. Sie muss nicht nur ihre eigenen Kinder versorgen, sondern zusätzlich die Familien ihrer Geschwister, auch einige Wähler sind auf ihre finanzielle Hilfe angewiesen.

Baar Saeed Farah ist eine gebildete, nachdenkliche Frau, die für Bildung und Gleichberechtigung der Frauen kämpft, und gegen die grausame Verstümmelung, die immer noch die überwältigende Mehrheit der jungen Mädchen betrifft. Fast alle Mädchen zwischen fünf und zehn Jahren werden beschnitten und auf laienhafte Art und Weise zugenäht – all das geschieht meist ohne Betäubung. Die schmerzhaften Folgen tragen die Frauen ihr Leben lang.

Doch Farahs Toleranz endet beim Thema Kopftuch – darüber gibt es keine Diskussion. „Eine Frau, die sich nicht bedeckt, ist gewisser Hinsicht nackt“, kritisiert sie. Zum Islam gibt es in Somaliland keine Alternative. Er bildet die Grundlage von allem: dem Alltag, der Herausbildung staatlicher Strukturen, der Kultur. „Religion ist wichtiger als Politik“, betont Baar Saeed Farah.




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Süddeutsche Zeitung“, sueddeutsche.de

Schlagwörter: Somalia, Somaliland, Unabhängigkeit, Frauen, Gender, Entwicklung, Wahlen, Demokratie, Islam, Kopftuch, Gleichberechtigung, Armut, Bildung, Beschneidung, Hargeysa