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Äthiopien: Äthiopische Supergirls – Neue Zeichentrickserie stärkt Mädchen

 
Meldung vom 06.02.2018

In Äthiopien stehen die Zeichen auf Veränderung: Mädchen bekommen neue Vorbilder. In einer Zeichentrickserie und einem Comic stehen die „Tibeb Girls“ gegen ungerechte traditionelle Geschlechterrollen auf.

Fikir fühlt ein Ziehen im Herzen. Irgendwo in der Nähe ist ein Mädchen dringend auf Hilfe angewiesen, das weiß sie. In wenigen Sekunden verwandeln sich Fikir und ihre zwei Freundinnen in Superheldinnen. Die Äthiopierinnen sind in traditionelle weiße Kleider und bunte Umhänge gehüllt und tragen – wie man es bei Superhelden gewohnt ist – Masken. Hand in Hand fliegen sie durch die Luft, um die zwölf Jahre alte Schulkameradin Hanna vor ihrem bitteren Schicksal zu retten – der Kinderheirat.

Spätestens seitdem sich „Wonder Woman“ auf der Kinoleinwand einem Weltkrieg entgegengestellt hat, sind weibliche Superheldinnen aus dem Schatten von Superman, Batman & Co hervorgetreten. Der Trend greift auch in Äthiopien um sich – in ungewöhnlicher Form: Die Protagonistinnen der Zeichentrickserie „Tibeb Girls“ sind junge, afrikanische Mädchen. Sie bewegen sich nicht von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer oder robben durch Schützengräben, sondern sie leben in einem Dorf in Äthiopien. Und sie gehen nicht gegen Kriminelle oder Kriegsgötter vor, sondern die Bekämpfung von Diskriminierung und Misshandlung von Mädchen steht auf ihrem Programm.

„Es ist nicht fair, dass die Hälfte der Bevölkerung anders behandelt wird“, meint Bruktawit Tigabu, die Erfinderin von „Tibeb Girls“. „Und das müssen Kinder lernen.“ Die Superheldin Fikir – Amharisch für „Liebe“ – hat die Gabe der Empathie und kann fühlen, wenn Mädchen in Not sind. Tigist („Geduld“) dagegen ist außergewöhnlich klug. Und Fitih („Gerechtigkeit“) verfügt über übermenschliche Kräfte. Doch nur gemeinsam können sie die Schwierigkeiten der Mädchen in ihrer Umgebung verändern.

Und Gegenmaßnahmen sind dringend nötig. Eine Mischung aus Tradition, Armut und mangelnder Bildung hat zur Folge, dass in dem ostafrikanischen Land mit mehr als 100 Millionen Einwohnern Mädchen und Frauen viel weniger Chancen haben als Männer. Viele gehen, wenn überhaupt, nur wenige Jahre in die Schule, wie Tigabu erläutert. Sie müssen danach zuhause oder bei der Ernte mitarbeiten, was sie oftmals ganz in Anspruch nimmt.

Immer noch ungebrochen ist zudem die Tradition der Kinderheirat. Fast zwei Drittel der Frauen werden vor ihrem 18. Lebensjahr in eine Ehe gezwungen. Eigentlich sei eine Ehe gesetzlich erst ab 18 gestattet, sagt Eshetu Alemu von der Organisation World Vision. Doch dies wird nicht umgesetzt.

Die meisten Familien können für die Schulgebühren der Kinder nicht aufkommen, wie Alemu erklärt. Das führt dazu, dass Töchter dann oft früh verheiratet werden, um die Lebenshaltungskosten für die Familie zu verringern. Auch sind viele Familien auf zusätzliche Hilfe im Haus angewiesen und missbrauchen ihre Schwiegertöchter als Haushaltskräfte oder Pflegerinnen für die Alten. „Und oft unterstützen die traditionellen Glaubenssysteme und Religionslehren diese Praxis der Kinderheirat“, meint Alemu.

Das will Tigabu nicht hinnehmen. Zwar hat die in der Hauptstadt Addis Abeba aufgewachsene Äthiopierin ein solchen Schicksal nicht selbst erleiden müssen. Doch die 36-Jährige arbeitete als Grundschullehrerin – sie habe dort erfahren, wie sehr Mädchen schon in jungen Jahren unterdrückt worden seien, sagt sie. Das Thema macht der Mutter von zwei Kindern sichtlich zu schaffen. „Es ist meine Verantwortung, einem Mädchen zu helfen, wenn es Hilfe braucht.“ Tränen kullern die Wangen herunter. „Kinder haben so viel Potenzial, wir müssen es nur in die richtige Richtung lenken.“

Ihr wurde bewusst, dass sie als Lehrerin nur einige wenige Kinder unterstützen konnte. Mit Medien könnte sie aber womöglich das Leben von Hunderttausenden verbessern, sagt Tigabu. Deshalb habe sie Whiz Kids Workshop ins Leben gerufen, mit dem sie bereits einige erfolgreiche Bildungs-Zeichentrickserien und -Kampagnen entworfen hat.

Mit „Tibeb Girls“ – „Tibeb“ bedeutet „Weisheit“ auf Amharisch – will Tigabu nun gezielt das Unrecht für Mädchen zur Sprache bringen. Und sie will an den Rollen in der Gesellschaft etwas verändern. „Mädchen wird immer gesagt: Du kannst dies nicht, du kannst das nicht – diese Botschaft müssen wir neu downloaden, für Mädchen und für Jungs.“

Ein Zeichentrickfilm sei dabei ein sehr wirksames Sprachrohr, sagt Tigabu. Er vermittle die Themen spielerisch, und die Erwachsenen fühlten sich nicht direkt kritisiert. Der erste Teil wurde bereits produziert, das Geld für die Produktion der ersten Staffel ist bereits zugesagt. Nun hält Tigabu Ausschau nach einem TV-Sender, der sie ausstrahlt.

Da es in vielen äthiopischen Haushalten keinen Fernseher gibt, haben Tigabu und ihr Team auch ein Comic-Buch der „Tibeb Girls“ herausgegeben und planen zudem eine Radiosendung. Whiz Kids Workshop habe sich auch mit Organisationen vernetzt, die in den ländlichen Regionen aktiv und von der Bevölkerung anerkannt sind. Mit deren Hilfe könnte man die Filme in Schulen oder in den Gemeinden zeigen, sagt die 36-Jährige.

Ihre beiden Kinder durften die erste Episode von „Tibeb Girls“ bereits sehen. Seitdem werfen sie sich öfter einen traditionellen Schal als Umhang um und stürmen durch das Haus, wie Bruktawit Tigabu erzählt. Ihre neunjährige Tochter habe ihr einmal gestanden: „Mama, du bist meine Superheldin.“






Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Der Tagesspiegel“, tagesspiegel.de

Schlagwörter: Äthiopien, Mädchen, Gleichberechtigung, Comic, Zeichentrickfilm, Tibeb Girls, Supergirl, Geschlechterrollen, Gender, Zangsheirat, Frauen, Kinderheirat, Schulbesuch, Bildung, Fernsehen