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Nicaragua: Die katholische Kirche und die Revolution – Wenn die Kirche in die Politik eingreift

Meldung vom 20.07.2018

Die katholische Kirche Nicaraguas bemüht sich, im Streit zwischen Staatschef Daniel Ortega und der Opposition zu vermitteln und bezieht dabei eine dezidiert politische Stellung.

Nach mehreren Vermittlungsversuchen der katholischen Kirche sind nun auch die Bischöfe und Priester auf die Straße gegangen, um zusammen mit den Opfern der Gewaltausbrüche gegen das „Massaker“, wie sie selbst es nennen, zu protestieren. Seit Wochen brodelt es in Nicaragua, kommen die Massenproteste gegen die sandinistische Regierung von Daniel Ortega nicht zum Erliegen.

Die Regierungsgegner verlangen den sofortigen Rücktritt der Regierung und beschuldigen sie der systematischen Gewaltanwendung gegen Demonstranten. Die Unruhen wurden Nicaragua Mitte April 2018 ausgelöst, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither greifen die Proteste auf das ganze Land über.

Die katholische Kirche zieht sich nicht zurück angesichts der Gewaltanwendung gegen die Demonstranten und mischt sich als Vermittler und als Befürworter der Opposition ein. Offenbar gehört ihre traditionelle Verbundenheit mit der Linken, der sandinistischen Revolution und der Befreiungstheologie, die sich durch die südamerikanische, gesellschaftskritische Stimme der Armen auszeichnet, der Vergangenheit an.

Experten betonen, dass die Kirche in Nicaragua immer heterogene Positionen vertrat und unterschiedlichen Strömungen angehörte. „In den 1960er Jahren wandten sich viele Priester mit einer Interpretation des Evangeliums, die die sozialen Aspekte betonte, den Linken und der Befreiungstheologie zu. Den Höhepunkt erreichte diese Strömung in den 1980er Jahren mit dem Sieg der sandinistischen Revolution und einigen berühmten Vertretern, allen voran Ernesto Cardenal“, meint der nicaraguanische Historiker Antonio Monte, Doktorand an der Freien Universität Berlin.

Aber nicht alle innerhalb der Kirche wurden Teil dieser Bewegung. „Es gibt konservative Kräfte in der Kirche, die die sandinistische Regierung und Ortega kritisieren“, weiß Prof. Dr. Volker Wünderlich an der Leibnitz-Universität in Hannover. Dr. José Luis Rocha, Soziologe an der Zentralamerikanischen Universität (UCA) in Nicaragua, erklärt: „Während eine Gruppe von Priestern und viele Laien die Theologie der Befreiung begrüßten und den revolutionären Prozess im Land unterstützen, stand die kirchliche Hierarchie, also fast alle Bischöfe, in den 1980er Jahren der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) feindselig gegenüber.“

Nicht alle Priester wurden Mitglied bei der FSLN, und viele traten dann auch wieder aus. Im Jahre 2007 wurde eine Annäherung zwischen Staatschef Daniel Ortega und dem konservativen Flügel der Kirche verzeichnet. „Obwohl sie eigentlich verfeindet waren, schlossen sie einen Pakt“, stellt Monte fest. Dadurch bleiben einige Gesetze, auf die die Kirche großen Wert legte, erhalten, wie zum Beispiel das absolute und ausnahmslose Abtreibungsverbot.

Die neue regierungskritische Aktivität innerhalb der Kirche hat aber „weder offiziell noch im Verborgenen irgendetwas mit dem Sandinismus zu tun“, meint Monte. „Die Kirche nimmt wieder eine aktive Rolle in der nationalen Politik ein, aber nicht in der Gestalt der Befreiungstheologie“, bestätigt Volker Wünderlich.

Das unterstreicht auch Luis Rocha: „Was jetzt gerade geschieht, hat nichts mit der Befreiungstheologie zu tun. Die ist in Nicaragua weitgehend in Vergessenheit geraten. Sowohl progressive als auch konservative Priester sind gegen die Regierungspartei FSLN, die ihrer Ansicht nach keine Partei mehr ist, sondern eher eine unternehmerfreundliche Vereinigung. Die Opposition der Kirche basiert nicht auf ideologischen Kriterien, sondern kritisiert die Repression, die Ortega seit seinem Amtsantritt 2006 ausübt“.

Antonio Monte macht darauf aufmerksam, dass die katholische Kirche eine der ersten Gruppierungen war, die sich für ein Ende der Gewalt und für die protestierenden Studenten stark gemacht hat. „Die Kirche regiert heute mehr im Rahmen des Diskurses über die Menschenrechte. Angesichts der aktuellen Ereignisse, in denen Regierungskräfte nicht nur Teile der Bevölkerung unterdrücken, sondern auch Morde ausüben, verteidigt die Kirche das Recht auf Leben, die Bewegungsfreiheit, die freie Meinungsäußerung und die Würde des Menschen“.

Seit dem Beginn der Proteste im April sind in den Auseinandersetzungen in Nicaragua über 280 Menschen ums Leben gekommen. Die Bischofskonferenz wartet auf eine Reaktion der Regierung auf die am 7. Juni vorgelegten Pläne zur Befriedung der Situation. Sie umfassen die Vorverlegung der Wahlen auf den März 2019. Daniel Ortega soll dabei von vornherein nicht mehr zur Wiederwahl erlaubt sein. Der Weihbischof von Managua, Silvio José Báez ergänzt dazu: „Keine Todesopfer mehr durch paramilitärische Einheiten, nicht ein weiterer Nicaraguaner darf dem Blutvergießen im Land zum Opfer fallen“.




Quelle:  „Deutsche Welle“, dw-world.de

Schlagwörter: Nicaragua, Katholische Kirche, Kirche, Religion, Politik, Daniel Ortega, Demonstrationen, Vermittler, Vermittlerrolle, Befreiuungstheologie, Sandinismus, Revolution, Repression, Wiederwahl, vorgezogene Wahlen, Rücktritt