Unser Service für Sie


 [ » Newsletter ]

[ » zum Kontakt-Formular ]

[ » Material bestellen ]

[ » Geschenke bestellen ]



Videos aus unseren Projekten finden Sie auf unserem Youtube-Kanal.
[ » Gebende Hände – Youtube-Kanal ]


Wenn Sie Kunde von Amazon sind, können Sie Gebende Hände bei jedem Einkauf unterstützen – jedes Mal mit 0,5% des Kaufpreises. [ » Ja, das will ich.]


Somalias Sturz könnte ganz Ostafrika ins Wanken bringen

Meldung vom 25.06.2009

Wie lange kann die Übergangsregierung in Somalia dem Druck der Islamistischen Milizen noch standhalten? Die radikalen Kämpfer gewinnen immer mehr an Boden und drohen mit Anschlägen in Kenia. Der zerfallene Staat entwickelt sich zum extrem gefährlichen Unsicherheitsfaktor für alle Nachbarländer.

Es klang wie eine SOS-Ruf eines sinkenden Schiffes, und viel Zeit bleibt wohl tatsächlich nicht mehr: Erst wandte sich der Sprecher des somalischen Übergangs-Parlaments an die Öffentlichkeit mit der Bitte an alle Länder der Welt um Hilfe, dann trat auch Präsident Sheikh Scharif Ahmed auf: Das Land befinde sich in einer akuten Notlage. Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus.

Inzwischen ist ein weiterer Tag vergangenen – ohne dass von außen Unterstützung gekommen ist. Truppen wollte niemand entsenden – auch die Regierung in Äthiopien nicht. Doch Afrika ist höchst beunruhigt. Den allerwenigsten Regierungen kommt es entgegen, wenn das Land am Horn des Kontinents den extremen Islamisten zufällt.

In der Hauptstadt Mogadischu wird der entscheidende Kampf ausgetragen, daher gleicht die Stadt inzwischen einer Geisterstadt. Die Straßen werden von Tausenden von zerschossenen Ruinen gesäumt, Hunderttausende von Bewohnern sind geflohen. Ein Großteil ihrer Wohnungen sind Ruinen, ihr Besitz wurde geplündert. Zurückgelassen wurden die Armen und die Schwachen. Sie haben keine Alternative, weil sie kein Geld und auch keine Verwandten auf dem Land oder im Ausland haben.

Dort wo die Islamisten die Herrschaft übernommen haben, herrschen inzwischen strenge Regeln. Die Hafenstadt Kismayo etwa hat einen Zeitsprung zurück ins Mittelalter gemacht. Dort wurde vor kurzem einem angeblichen Dieb vor einer zuschauenden Menge die rechte Hand abgeschlagen. Ihm war der Diebstahl von ein paar Kleidern und einer Tasche vorgeworfen worden. Der Wert belief sich auf 90 US-Dollar. Anschließend wurde der Verurteilte, der auch nach der Vollstreckung noch seine Unschuld beteuerte, in ein Krankenhaus eingeliefert. Von mehreren Erschießungen und Auspeitschungen in Kismayo allein in diesem Jahr ist die Rede.

Besonders gefährdet fühlt sich nun vor allem das Nachbarland Kenia. „Unsere nationale Sicherheit sowie die Stabilität der ganzen Region ist bedroht“, erklärte vor wenigen Tagen der kenianische Außenminister Moses Wetangula. „Wir können in einer solchen Situation nicht einfach abseits stehen und zuschauen.“ Kenia zeigte sich einer militärische Intervention nicht abgeneigt, doch die müsste von der Afrikanischen Union und IGAD, einem Zusammenschluss von sechs Nachbarstaaten Somalias, gemeinsam durchgeführt werden.

An die 200 ausländische Kämpfer, mit Kriegs-Erfahrung aus Afghanistan, Pakistan und dem Irak, gehören zu den Islamistischen Milizen. Kenia, vor allem aber auch die USA sind besorgt, dass ein von den Islamisten überrolltes Somalia zur Basis für Kämpfer von al-Kaida und befreundeter Gruppen werden und die gesamte Region ins Wanken bringen könnte.

Seit Jahren wird Kenia durch den zerfallenden Nachbarn in Mitleidenschaft gezogen. Der Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi von 1998, bei dem über 220 Menschen ums Leben kamen, ist noch in schmerzlicher Erinnerung. Ein Angriff auf ein Touristenhotel 2002 sowie mehrere geplante und vereitelte Anschläge verstärken die Sorgen Kenias. Hunderttausende somalischer Flüchtlinge haben in Kenia Asyl gesucht, teils in Zeltstädten, teils in der Hauptstadt. Und auch die steigende Kriminalität mit vielen bewaffneten Überfällen in Nairobi hat ihre Ursache in dem boomenden Handel mit Waffen aus Somalia.

Nairobi wird zudem als Drehkreuz für islamistische Kämpfer angesehen, die über Kenia ein- und nach Somalia weiterreisen. In den großen somalischen Wohngebieten an der Küste und in einem Stadtteil im Osten Nairobis können Araber und Somalis, die unerkannt bleiben wollen, ohne Schwierigkeiten untertauchen.

Die Warnung der Islamisten an Kenia verfehlt jedenfalls nicht ihre Wirkung. Solle sich die Regierung an einer militärischen Operation in Somalia beteiligen, „kommen wir mit Selbstmordattentätern nach Kenia“, warnte ein Sprecher der Al-Shabaab-Milizen. „Dann werden wir eure schönen, gläsernen Hochhäuser in Nairobi in die Luft jagen.“




Quelle: Gebende Hände-Redaktion; nach einer Information von: „Spiegel Online“, spiegel.de