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Haiti: Lebensrettende Ziegenmilch (Projektbericht)

Bericht vom 16.03.2012


Ziegenmilch ist ein hervorragender Ersatz für Muttermilch.

Im vergangenen Jahr kam Judy, eine pensionierte Krankenschwester aus den USA, zu einem Hilfseinsatz in unser Projekt nach Haiti, wo sie in der Klinik arbeitete. Während dieser Zeit wurde ihr ein schwer unterernährter Säugling zur Behandlung gebracht. Die Eltern baten verzweifelt um Hilfe, denn die Mutter konnte nicht stillen und hatte auch kein Geld für geeignete Ersatznahrung. In solchen Fällen greifen die Mütter auf Haiti zu allem, was sie nur auftreiben können, um ihre Babys satt zu bekommen. So mischen sie z. B. Mehl und Wasser oder verarbeiten normale Erwachsenen-Nahrung zu Brei – alles Dinge, die ein Neugeborenes das Leben kosten können.

Als Judy von der Klinik den Hügel hinauf zu dem Haus ging, wo unsere schwindenden Vorräte an Säuglingsnahrung lagern, stolperte sie beinahe über eine Ziege, die dort an den Büschen knabberte. Das Euter der Ziege war prall voll Milch, und man hätte sie sofort melken können. Da es auf Haiti aber unüblich ist, Ziegenmilch zu verwenden, konnte Judy sie nicht für das hungrige Baby nutzen. In diesem Augenblick wünschte sie sich sehnlichst, es gäbe einen Weg, die Menschen hier von den Vorzügen der Ziegenmilch zu überzeugen, denn mit der Milch der vielen wild lebenden Ziegen überall auf Haiti könnten dem Hunger und der Unterernährung – insbesondere bei den Kindern – wunderbar abgeholfen werden.

Als Judy an diesem Abend in ihr Zimmer zurück kehrte, wurde sie das Gefühl nicht los, selbst etwas für die Aufklärung der Haitianer über die gute Verträglichkeit von Ziegenmilch tun zu müssen. Ihr eigener Sohn war allergisch gegen Muttermilch und Kuhmilch gewesen. Mit Ziegenmilch hingegen war er prächtig gediehen und deshalb der lebende Beweis für diese Art der Säuglings-Ernährung, die Judy mit ihrer persönlichen Erfahrung bezeugen konnte.

Zurück in den USA befaßte sie sich über längere Zeit intensiv mit diesem Thema. Ein Jahr später kehrte sie für einen zweimonatigen Aufenthalt nach Haiti zurück, und setzte ihren Entschluß, die Menschen über die Vorzüge von Ziegenmilch zu informieren, in die Tat um. Zuerst besorgte sie sich ein paar der nützlichen Tiere als lebendes Anschauungsmaterial. Anschließend begann sie mit Informationsveranstaltungen. Mitarbeiter aus den verschiedenen Bereichen der Projektarbeit wurden eingeladen, so auch die Klinik-Ärztin und Kayil, unser Gärtner und zukünftiger „Ziegenpfleger“. Die Ärztin kam gleich mit der Krankenschwester und dem Klinik-Wächter im Schlepptau. In letzter Minute baten wir noch unseren eigenen Wachmann Joseph dazu, der zu Hause eine kleine Ziegenherde hält. Er brachte auch noch seine beiden Brüder Milo und Merilien mit, und schnell war eine ansehnliche Zuhörerschaft versammelt. Alle lauschten aufmerksam Judys Ausführungen und stellten viele Fragen – von Zucht und Haltung der Tiere bis hin zum Nährwert der Milch.

Diese erste Veranstaltung wurde ein voller Erfolg: Merilien bekundete später großes Interesse daran, Ziegenkäse für den Verkauf herzustellen. Kayil fragte nach einer Möglichkeit, das Informationsmaterial ins Kreolische (die Landessprache von Haiti) zu übersetzen, weil er sein neu erworbenes Wissen gern in seinem Heimatdorf weitergeben wollte. Die Ärztin bat um eine Nährwert-Tabelle in gedruckter Form für die Verteilung in der Klinik, und weitere Teilnehmer interessierten sich für die Zucht von Milchziegen.

Mit ihrer Initiative machte Judy einen ersten Schritt hin zur Verwirklichung ihrer Vision, unterernährte Babys und Kleinkinder auf Haiti mit der Milch des hier am weitesten verbreiteten Tieres aufzupäppeln. Bemerkenswert ist, dass die Verwendung von Ziegenmilch in der haitianischen Bevölkerung sogar früher einmal gebräuchlich war – bis zu dem Zeitpunkt, als die US-Amerikaner kamen und Milchersatznahrung bzw. Kuhmilch als bessere Alternative anpriesen. Heute sind die Städte, Dörfer und Felder Haitis voll von wilden Ziegen, deren wertvolles Potenzial nicht genutzt wird. Wir sind froh und dankbar, daß sich eine pensionierte Krankenschwester nicht davon abbringen ließ, ihre Idee weiter zu verfolgen. Und wir hoffen, daß die Seminar-Teilnehmer sich Judys Idee zu eigen machen und zu Multiplikatoren werden, um mit dieser wunderbaren Möglichkeit dem Hunger und der Unterernährung auf Haiti zu begegnen.

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