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Afghanistan: Gefährliches Kabul (Reisebericht)

Bericht vom 14.02.2009


Die Winter in den abgelegenen Bergdörfern sind sehr hart.





Eine Familienration mit Reis, Bohnen, Mehl, Öl, Salz, Zucker und Tee.

Die Kämpfe zwischen den Taliban und den ISAF geführten Truppen in Afghanistan spitzen sich immer weiter zu. Gerade im Februar 2009 erschütterte eine Welle von Anschlägen Kabul. Das hat unser Projektleiter am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Im Februar 2009 führte er wieder einen Hilfstransport nach Afghanistan durch. Seine Eindrücke und Erlebnisse beim Hilfseinsatz in diesem hart umkämpften Land lesen Sie im folgenden Reisebericht:

In Kabul stehen alle Zeichen auf Alarm. Schon am Flughafen betreten wir eine andere Welt. Wir müssen endlose Sicherheitskontrollen und Gepäckdurchsuchungen über uns ergehen lassen. Die Stadt ist voller Straßensperren. Überall halten Soldaten auf Panzern ihre Hightech-Waffen anschlagbereit. Jeden Moment könnte wieder eine Explosion zahlreiche Opfer in den Tod reißen und alles ins Chaos stürzen. Bei der Fahrt durch Kabul stehen wir unter starker Anspannung.

So schnell es geht, verlasse ich die Stadt und mache mich mit unserem Hilfskonvoi in die Bergregionen Afghanistans auf. Unser Ziel ist ein Bergdorf, dessen Namen ich aus Sicherheitsgründen hier lieber nicht nennen möchte. Der Weg dahin ist beschwerlich, die Lastwagen kommen nur mühsam auf den schlammigen Wegen vorwärts und kämpfen sich durch Unmengen von Schnee.

In dem kleinen Bergdorf angekommen, begrüßen uns viele Kinder. Wie bei jedem Hilfseinsatz ist es zuvor notwendig, sich die Zustimmung und Unterstützung der afghanischen Dorfältesten der Region zu sichern. Mir ist wichtig, die Beziehung zu diesen durchs Leben hart geprüften Männern von Einsatz zu Einsatz zu vertiefen. Von dem Schutz der Dorfältesten und damit der Zusicherung, dass wir nicht überfallen werden, hängen der Erfolg unserer Hilfsleistung und unser Leben ab.

Meine nächste Station ist also die Hütte des Dorfältesten. Ich sitze auf dem Boden im Schneidersitz inmitten von 16 lokalen Stammesführern. Alle schauen mich mit ihren wettergegerbten Gesichtern forschend, aber auch mit Offenheit an. Nach einem ausgiebigen Mahl, bei dem es einfache einheimische Gerichte gibt, bemerke ich, wie sich eine Vertrauensbeziehung zu diesen Männern aufbaut.

Sie schätzen unsere Hilfsleistungen und akzeptieren mich, obwohl ich Ausländer bin. Das ist in Afghanistan keinesfalls mehr selbstverständlich. Die Menschen sind enttäuscht und stehen westlichen Organisationen misstrauisch gegenüber. Sie haben wegen der langen zermürbenden Kämpfe die Hoffnung auf Frieden und Stabilität aufgegeben. Die meisten glauben nicht mehr an einen Sieg der ISAF-Truppen gegen die Taliban.

Nach unseren Gesprächen dürfen wir mit der Lebensmittelverteilung beginnen. Die Ältesten stellen mir Männer zur Verfügung, die bei der Austeilung helfen und sicherstellen sollen, dass keine Streitigkeiten um die Lebensmittelsäcke ausbrechen. Die Säcke sind mit überlebensnotwendigsten Nahrungsmitteln gefüllt. Jeder Sack enthält Reis, Bohnen, Mehl, Öl, Salz, Zucker und Tee.

Nun beginnt der schönste Moment der Reise, der mich für alle Gefahr und Mühsal entschädigt: Die Kinder des Dorfes strahlen übers ganze Gesicht, als sie ihren Sack ausgehändigt bekommen. Unsere Hilfeleistungen sorgen nicht nur für das physische Überleben der Dorfbewohner, sondern leisten auch einen Beitrag dafür, das verletzte Vertrauen der Afghanen zurückzugewinnen.

Am Abend wartet eine Überraschung auf mich. Die Stammesführer rufen mich noch einmal zu sich. Ich habe keine Ahnung, worum es geht, doch ich lasse mich zu einer Fahrt in die Dämmerung überreden. Wir brechen mit einem Kleinbus auf und halten in einem zwischen hohen Gebirgszügen liegenden Tal. Ein Flüsschen bewässert ein großes Stück Land.

Jetzt eröffnen mir die alten Männer einen lang gehegten Traum: Man könnte dort einen Damm bauen, erzählen sie, und für die Trockenzeit Wasser stauen. Dadurch wäre das Land das ganze Jahr über fruchtbar und liefere ideale Bedingungen für den Anbau von Kartoffeln und Mais. 1.500 Menschen könnten von dem Ertrag dieser Region leben. Das einzige Problem ist: die Besitzer dieses Landes müssten ausgezahlt werden. Schon mit umgerechnet 19.000 Euro wäre das möglich, doch die Dorfgemeinschaft hat dieses Geld nicht.

Inzwischen ist es sehr dunkel und bitter kalt geworden. Auf der Rückfahrt bleibt der Kleinbus mehrfach im Schnee stecken und ich werde zunehmend unruhiger. Die Aussicht auf eine frostige Nacht in den Bergen versetzt mich nicht gerade in Begeisterung. Doch wir schaffen es, den Bus mehrmals aus dem Schnee zu schieben. Zurück im Dorf besprechen wir bei heißem Tee weiter ihr Projekt.

Für mich geht es am nächsten Tag schnell wieder zurück nach Kabul. Heftiger Schneefall wurde angesagt und es besteht die Gefahr, wochenlang eingeschneit zu werden.

In Kabul angekommen, fahren wir im Taxi in Richtung Regierungsviertel. Einem plötzlichen Impuls folgend, bitte ich den Fahrer umzukehren. Als wir aus dem Zentrum heraus fahren, erschüttern nicht weit von uns zwei heftige Explosionen die Gegend. Danach hören wir Maschinengewehre. Wären wir nicht umgekehrt, hätten wir durch die Bombenattentate auf die Regierungsgebäude vom 11. Februar ums Leben kommen können, weil wir genau dorthin unterwegs waren.

Unendlich dankbar für diese Bewahrung, besuche ich unser Waisenhaus in einer Stadt Afghanistans. Es ist eine große Freude, zu sehen, wie „unsere“ Kinder dort im Schutz des Heims aufblühen. Ich habe ihnen Luftballons mitgebracht. Viele Kinder haben noch nie in ihrem Leben einen Luftballon zu sehen bekommen und toben damit ausgelassen herum. Doch es wird Zeit für mich, wieder aufzubrechen. Eine sehr bewegende Reise geht zu Ende. Aber es ist nicht das letzte Mal, dass ich da war. Das wissen auch die Kleinen und sie lachen, als sie mir zum Abschied zuwinken.